ETZ 250 Gespann

Ein Familienfahrzeug musste her

Nachdem im August 2009 unser Sohn geboren wurde, reifte schnell der Gedanke nach einem Gespann. Das Doppelport-Gespann braucht wohl noch einge Zeit und ist sicherlich nicht das richtige Übungsfahrzeug für mich als Gespannneuling.

Zuerst soll es ein ES 250/2-Gespann werden. Eine entsprechende Maschine, die immerhin schonmal die Gespannschwingen hat, kaufe ich im September. Mit der Zeit merke ich, dass das Beschaffen eines guten Superelastik-Seitenwagens schwierig ist. Zudem fehlen auch noch einige Teile, so dass der Komplettaufbau bis zur Neuzulassung mindestens 2.000 Euro verschlingen würde.
Es deutet sich auch an, dass ich zeitlich nicht zu einer zügigen Vollendung kommen kann. Zum Jahreswechsel 2009/2010 bin ich dann entschlossen, lieber ein fahrbereites ETZ-Gespann zu kaufen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Starker Motor, 5 Gänge, Scheibenbremse, standfeste 12-Volt-Elektrik und günstige Preise für Ersatzteile und das Fahrzeug selbst. Die ES 250/2 hat mittlerweile Oldtimer-Status und die Preise für Ersatzteile sind dementsprechend gestiegen.

Bevor ich weit fahre besuche ich im Nachbarort einen MZ-Fahrer, der schon einige Jahre mit einem ETZ 250-Gespann hier herumfuhr. Eigentlich möchte ich nur mal eine Sitzprobe machen. Auf die Frage, ob das Gespann vielleicht zu verkaufen wäre, kommt ein "Ja, eigentlich schon". Perfekt, wir einigen uns auf 1000 Euro und am 6.1.2010 hole ich das Gespann ab.
Dieser Tag ist also der Tag meiner ersten Gespannfahrt. Es liegt gut Schnee auf den Nebenstraßen. Durch das Hoftor komme ich gut raus und auch das Auffahren auf die Dorfstraße geht besser als gedacht. Ich gebe etwas Gas und schalte in den 2. Gang, doch das war für den Anfang schon zu schnell. Ich fahre nach links und runter von der Straße in den Tiefschnee. Etwas verlegen lasse ich mir beim Rausschieben des Gespanns helfen und will nun den Ratschlag "Gewicht nach rechts verlagern" befolgen. Nun klappt schonmal das Geradeausfahren. Es geht ca. 1 Kilometer auf verschneiter Piste zur geräumten Kreisstraße. Da kommt sie - die erste 90 Grad Kurve Rechtsherum. Ich fahre sehr langsam und komme gut rum. Die starken Lenkbewegungen kosten immer etwas Überwindung, da man es vom Solofahren absolut nicht kennt.
Mit 60 km/h geht es nach Münchehofe. Mehr traue ich mich erstmal nicht. Auf dem Hof entstehen die ersten Fotos.
Einen Tag später melde ich das Gespann um.

Am 12.1. fülle ich mir einen Sack mit ca. 50 KG Split. Dieser kommt als blinder Passagier in den Seitenwagen. Dadurch wird die Kippgefahr in Rechtskurven gemindert. Das Gespann parkt in der Scheune und zum Rausfahren muss ich extra eine Fahrspur freiräumen, da mittlerweile 30 cm Schnee liegen.

Nun stehen erstmal ein Ölwechsel, eine Einstellung der Hinterradbremse und eine kleine technische Durchsicht an. Danach möchte ich erstmal fahren, um mich mit dem Gespann vertraut zu machen und meine Eignung als Gespannfahrer zu testen.
Später stehen dann einige optische Verschönerungen an.

 

16. Juli 2011

Nach anstrengenden Wochen ohne mein ETZ-Gespann ist es nun geschafft. Die Haube ist lackiert, wieder zusammengebaut und das Gespann nun in neuer Schönheit wieder komplett. Innerhalb der letzten Monate hat sich so einiges am Gespann verändert:

  • Einbau eines EM 301 Motors. Hierbei handelt es sich um einen orginalen MZ Werksmotor mit 300ccm. Dieser wurde mit der Wende in die ETZ und später in die Saxon Tour und Saxon Sportstar eingebaut. Der Motor hat 23 PS und gegenüber dem EM 250 Drehmoment aus unteren Drehzahlen. Mit diesem Motor kann ich nun ein 17er statt eines 15er Ritzels fahren und schaffe 105km/h (wenn es denn sein muss). Der Umbau war nicht ganz billig aber hat sich wirklich gelohnt.
  • Neue WWS-Speichen für Vorder- und Hinterrad
  • Verschließen von 4 Bohrungen auf der Haube des Seitenwagens. Diese wurden von einem Vorbesitzer gemacht, um Custom-Blinker und Spiegel anzubauen.
  • Lackierung der "schlupfblau matt" Teile in olympiablau glänzend. Das habe ich nach und nach gemacht, da das Gespann in erster Linie mein Hauptfahrzeug ist. Bei der Haube habe ich mir dann doch mehr Zeit genommen und alles komplett zerlegt, entkeimt, grundiert und mit 2K-Lack lackiert. Den Gummilappen an der Vorderseite der Haube habe ich mittels Teichfolie erneuert. Dies alles hat ca. 3 Wochen gedauert.
  • Aufklebersatz an Tank und Seitendeckeln
  • Ich habe dem Gespann noch einen neuen Sitz spendiert. Beim Gabor in Berlin gibt es nachgefertigte Sitzebezüge, die man in Eigenregie auf den originalen Holzrahmen bauen kann. Dies gelingt dank der mitgelieferten Anleitung gut und ich bin mit dieser Nachfertigung wirklich zufrieden.
  • Drehwirbel für Scheibe und Plane wurden erneuert
  • Neue Abdeckplane (ebenfalls Nachfertigung vom Gabor). Macht sogar einen robusteren Eindruck als das Original
  • Befestigung der Scheibe habe ich nochmal umgebaut und die provisorischen Kupferhülsen durch etwas schöneres ersetzt.

Alles in allem ist das Gespann nun optisch und technisch auf dem Stand, wie ich es haben möchte. Weitere Umbauten wie einen größreren Tank oder 15/16"-Fahrwerk werde ich nicht machen, da ich diese Dinge am Sauer-Gespann habe.

 

Klappbare Windschutzscheibe mit Flügelmutter

Da es hierzu Fragen gab, möchte ich meine Lösung hier kurz vorstellen. Da die Scheibe aufgrund des Luftwiderstands Agilität kostet, klappe ich diese ab, wenn ich allein fahre. Dazu habe ich an der mittleren Befestigung eine Flüglemutter, die sich ohne Werkzeug lösen und montieren lässt.

Damit die Scheibe aus der mittleren Befestigung genommen werden kann, ohne die Seiten zu lösen, darf die Scheibe an den Seiten nicht zu weit von den Haltbügeln entfernt sein. Anderenfalls hat das ganze in der Mitte nich genug Spiel, um den Bolzen nach Lösen der Flügelmutter aus dem Haltblech ziehen zu können.
Die seitliche Befestigung kann man im Detail auf dem Bild erkennen:

  • Die M8-Schraube wird von innen durch den Haltbügel geschoben
  • Danach kommt ein Distanzbuchse (oder Muttern bzw. Unterlegscheiben). Die Buchse ist ca. 1cm lang und wird mit einer M8-Mutter festgeschraubt.
  • Als nächstes kommt die Scheibe. Diese wird mit einem Federring und einer M8-Flügelmutter befestigt.

Das Herausnehmen der Scheibe aus der mittleren Aufnahme ist manchmal eteas fummelig und man kann sich dabei auch den Finger klemmen - also vorsicht.