Meine ETS 250

Schöne, originale ETS 250 von 1971


Bereits in den 90er-Jahren hatte ich gehört, daß im Ort eine ETS 250 auf ein zweites Leben wartet. Ich habe sie mir damals angesehen, konnte mich aber nicht mit dem Besitzer einigen.

Das war Mitte der 90er Jahre und ist lange her. Die ETS stand in einem Holzschuppen inmitten von allerhand Gerümpel. Ich habe die damals für mich als Schüler gigantische Summe von 200 DM angeboten aber das hat nicht gereicht. Der damalige Besitzer konnte oder wollte auch keinen anderen Preis nennen und so sind wir auseinander gegangen.

Aus heutiger Sicht ein Glücksfall: Damals hatte ich keine Ahnung und hätte die ETS versaut - sprich den Lack abgeschliffen. Das wäre bei einer ETS 250 in dieser Komplettheit und diesem Zustand schon sehr sehr ärgerlich gewesen.
Glücklicherweise wurde die Maschine aber damals vor mir "geschützt" und stand noch mehr als ein weiteres Jahrzehnt unberührt im Schuppen herum.

Es verging Jahr um Jahr, der Besitzer zog um, die ETS aber blieb aufgrund Platzmangels im Ort bei Bekannten.

Ostern 2010 ergab es sich, dass ich bei einem Spaziergang wieder einen Blick auf die ETS werfen durfte. Ich habe über die Jahre viele Erfahrungen mit MZ-Zweitaktern gesammelt und konnte diese Maschine nun auch entsprechend einordnen. Ich habe mich dann gekümmert und konnte die ETS schließlich erwerben.

Heute weiss ich, dass diese ETS zu den am besten erhaltensten und vollständigsten unrenovierten ETSsen gehört. Ich habe bisher nur sehr wenige vergleichbare Exemplare gesehen.


Ostern 2010


Beim Osterspaziergang mit dem Nachwuchs treffen wir eine ehemalige Mitschülerin mit ihrer Familie. Sie ist die Tochter des Besitzers der ETS und die Maschine steht bei den Eltern ihres Ehemanns. Wir gehen ein Stück zusammen und landen schließlich auf dem Hof, wo auch die ETS steht. Ich frage spontan und kann mal einen Blick in den Schuppen werfen. Dort steht sie eingezwängt in einem kleinen Raum. Ich kann aber auf den ersten Blick erkennen, dass nichts verbastelt wurde und sich die ETS weitestgehend im Originalzustand ist.

In den nächsten Wochen bleibe ich nun dran und kann die ETS aus dem Schuppen holen un mal genauer ansehen. Ich sehe, dass die Maschine einen Ersatzrahmen hat, der rechte Seitendeckel von der ES/2 ist und der Deckel für das Werkzeugfach fehlt.
Einige Tage später telefoniere ich mit dem Besitzer und frage ihn nach dem Rahmen. Er sagt, dass er damals ansgeschrieben wurde, da die Rahmen Schwächen hatten. Der Rahmentausch erfolgte dann in einer Werkstatt. Vermutlich wurde dabei der Seitendeckel vertauscht.
Danach mache ich dem Besitzer ein Angebot und wir sind uns einig.




25.5.2010


Ich hole die ETS nach Hause und wir erledigen den Papierkram und die Bezahlung. Original KFZ-Brief, Zulassungsschein, 2 Zündschlüssel und das Lenkschloß mit 2 Schlüsseln bringt der Verkäufer noch mit. Das alles befindet sich noch in der originalen MZ-Papiertüte, die beim Kauf dabei war. Leider nimmt der Verkäufer die Tüte wieder mit, was ich erst später merke. Ich rufe ihn nochmal an und werde die Tüte noch bekommen.

Am Abend kommt noch ein Schrauberkumpel vorbei und wir bekommen die ETS zum Laufen. Die Elektrik funktioniert bis auf die Hupe und nach Reinigung von Benzinhahn und Vergaser gelingt uns der Start. Ich drehe gleich eine vorsichtige Runde - die ETS läuft gut und die Bremsen ziehen.



28.5.2010


Ich nehme mir die Chromteile vor. Leider sind diese teilweise schon sehr rostig und aufgeblüht. Die Aktion bringt aber schonmal was. Ich beschließe erstmal nur die Chromhülsen der Stoßdämpfer gegen besser erhaltene Exemplare auszutauschen und den Rest zu belassen.

=> Nachtrag: Das würde ich heute so nicht mehr machen. Es macht in meinen Augen keinen Sinn, an so einer vollständigen Maschine einzelne Teile aus optischen Gründen zu tauschen.




29.5.2010


Die ETS bekommt eine ordentliche Wäsche. Anschließend tausche ich die Stoßdämpferhülsen aus. Nun ist es Zeit für einen Fototermin.
Der Originallack steht wirklich noch gut da und soll natürlich erhalten werden.

Zunächst sind an der ETS folgende Arbeiten geplant:

- gründlicher Ölwechsel
- Durchsicht der Elektrik
- Wechsel der Faltenbälge und Durchsicht der Telegabel
- Neue Reifen und ggf. Speichen der Räder
- Wiederzulassung

 



Juni 2010

Über das MZ-Forum bekomme ich einen schönen originalen Seitendeckel für die rechte Seite.

 

Juli 2010

Ich kaufe einige Teile ein. Unter anderem auch einen Deckel für das Werkzeugfach der Sitzbank. Es handelt sich um ein Originalteil, jedoch mit dem großen "MZ" Schriftzug. Macht erstmal nichts, d.h. ich werde den originalen Deckel nicht lackieren und mit einem Repro-Aufkleber bekleben. Mit etwas Glück findet sich irgendwann der 100% passende Deckel an.

Ich demontiere 2 NVA-Räder, die schon lange herumliegen und gewinne daraus einen Satz minimal patinierter 16"-Speichen. Einen schönen Satz originaler 18"-Speichen habe ich vor einigen Jahren im Schrott gefunden. Nachdem die Reifen eintreffen, gehen die Räder zum Einspeichen und Reifen aufziehen. Die originalen Schläuche sowie alle noch zu rettenden Speichennippel werden wieder eingebaut.

=> Nachtrag: Das würde ich heute so nicht mehr machen. Ich hätte die originalen Speichen einfach drin lassen sollen. Nun ist es nicht mehr zu ändern.

 

August 2010

Die Räder sind wieder da. Die Heckpartie wird wieder komplettiert. Eine neue Kette und Kettenschläuche liegen bereit. Leider passen die Nachfertigungen unglaublig schlecht und der ganze Antrieb ist sehr schwergängig. Auf dem Teilemarkt in Wünsdorf bekomme ich 2 schöne Orginalteile und kann die Repros wieder rauswerfen. Im Ergebnis läuft der Antrieb jetzt schön leichtgängig wie es sein muss.

Um die Faltenbälge zu tauschen muss die Gabel raus. Leider ist eine Seite undicht und ich entschließe mich, die komplette Gabel zu zerlegen und mit neuen Dichtringen zu versehen. Zum Lösen der Gewinderinge habe ich zwar ein passendes Spezialwerkzeug, doch leider geht trotzdem ein Ring kaputt und muss schließlich mit der Rohrzange runtergerissen werden.

Im Ergebnis ist ein Gewindering kaputt und ein Führungsrohr hat Steinschläge, die schließlich zum Ausfall des Dichtrings führten. Hier muss ich mir nun etwas einfallen lassen, da ein alleiniger Wechsel des Dichtrings keine langfristige Lösung bringt.

Da ETS-Gabelteile schwer und wenn nur sehr teuer zu bekommen sind, entschließe ich mich für eine Reparatur der defekten Teile. Die Krater im Führungsrohr habe ich entrostet, entfettet, mit Zwei-Komponenten-Kleber ausgegossen und glatt geschliffen. Beim defekten Gewindering habe ich die Klauen einfach größer ausgefeilt. Die ersten Testkilometer hat die Gabel schonmal gut bestanden.

 

 

Samstag, 28.8.2010

Die ETS ist zulassungsbereit. Um auf Nummer sicher zu gehen, leihe ich mir im Ort einen Opel Combo aus. Die ETS passt dort hinein und läßt sich mit einem Spanngurt an den eingebauten Gurtösen gut befestigen. Nach der Verladeprobe lassen wir die Maschine gleich für Montag darin stehen.

 

 

Montag, 30.8.2010

Um 7:15 Uhr geht es Richtung Werkstatt. Die DEKRA ist ab 8:00 Uhr vor Ort. Zunächst sieht es bezüglich des nicht protokollierten Rahmentausches schlecht  aus. Als der Prüfer erfährt, dass die ETS in der BRD noch nicht zugelassen war und ohnehin ein Vollgutachten erforderlich ist, sieht die Sache besser aus.

Das nächste Problem ist das Lenkradschloß, welches ich zu Hause vergessen habe. Der Prüfer ist kulant und schenkt meinen Ausführungen Glauben. Beim Durchtesten der Elektrik kommt schließlich "Blinken Sie mal rechts!". Nun gibt es ein echtes Problem, da Blinker ab 1962 auch in der DDR Vorschrift waren. Ich zeige die Abbildungen aus der Betriebsanleitung doch der Prüfer bleibt bei seiner Meinung, dass Blinker nachgerüstet werden müssen. Er telefoniert mit diversen Leuten u.a. auch einigen alten MZ-Händlern, jedoch kann keiner eine definitve Aussage machen. Ein Kollege kann schließlich den entscheidenden Hinweis geben - die Blinkerpflicht entfällt auf Grundlage des Einigungsvertrages von 1990. Das steht jetzt auch in der Zulassungsbescheinigung. Nach ca. 1 Stunde ist die Prüfung durch.

Danach geht es zur Zulassungsstelle. Hier klappt alles problemlos. Ich weise auf die Rahmenproblematik hin und nach kurzer Rücksprache wird die Nummer auf Grundlage des DEKRA-Gutachtens übernommen. Ich lege einen Zeitungsartikel bzgl. Neuregelung zur Vergabe verkleinerter Kennzeichen bei DDR-Zweirädern vor und auch die Zuteilung eines Leichtkraftradkennzeichens klappt sofort. Ich lasse mir dann noch ein Wunschkennzeichen "aufschwatzen". Erstaunlicherweise ist "LDS MZ 250" noch frei.

2.9.2010

Die ersten 150 Kilometer sind absolviert und die ETS muss wieder auf die Bühne. Vergaser ist lose, Telegabel ölt und die Verbindung zwischen Krümmer und Zylinder saut.

Die Schnell-Diagnose lässt aufatmen: Der Vergaser läßt sich im ausgebauten Zustand mit viel Gefühl doch noch im Stuzen befestigen. Wie bei der TS kommt gleich Hylomar mit dazwischen und die Klemmung wird nicht mehr zerlegt.
Die Telegabel ist zum Glück heile. Die Eindichtung eines Gewinderings hält nicht. Da habe ich wohl beim Entfetten geschlampt. Die Wellendichtringe sind zum Glück OK. Die Sache macht natürlich etwas Arbeit ist aber ein reine Fleißaufgabe.
Das Problem am Krümmeranschluß ist schnell identifiziert - der Einsatz für den Steckkrümmer ist lose.

Also wieder Arbeit aber alles lösbar. Morgen geht es weiter.

3.9.2010

Zur Befestigung des Krümmereinsatzes baue ich ein kleines Werkzeug. Mehr dazu gibt es hier:Steckkrümmer ES/2 und ETS 250

Danach kommt der Auspuff wieder dran. Der Vergaser kommt wieder an seinen Platz. Nun ist es Zeit für eine Proberunde und ich merke sofort, dass die Nebenluft weg ist.

 4.9.2010

Ich fahre mit der ETS zum Traktorfest nach Ragow. Der Krümmeranschluß bleibt dicht. Der Motor tourt jetzt ganz sauber ab und es ist absolut kein Schiebruckeln mehr vorhanden (die Nebenluft ist eben weg). Klingelähnliche Geräusche gibt es im 4. ab 80 leider immer noch. Es ist aber scheibar kein Motorklingeln sondern etwas anderes. Im Verdacht habe ich den Zylinderdeckel - hier schmutzt es auch mächtig nach hinter raus. Der Deckel muss mal runter und die Abdichting überprüft werden  - es gibt immer was zu tun.

16.9.2010

Ich habe einen Werkzeugfachdeckel mit dem originalen Schriftzug bekommen und baue diesen am Abend schnell an. Der Deckel hat allerdings keine Bohrung für den Abdeckgummi des Schlosses. Da ich diesen Gummi schon besorgt habe und die ETS aus Abbildungen nur mit diesem Gummi kenne, bohre ich das Loch nach und montiere den Abdeckgummi.

Obwohl der Deckel schonmal nachlackiert wurde und der Schriftzug dadurch etwas verblasst ist, macht sich der Deckel sehr schön an der ETS.


12.8.2013

Aufgrund von Steinschlägen auf einem Gabelholm hat der Dichtring dort nicht lange gehalten. Ich habe ein gutes Gabelrohr besorgt und die Gabel nochmal komplett überholt.

Den Motor habe ich ebenfalls zerlegt und mit neuen Lagern und Dichtringen wieder zusammen gebaut. Kurbelwelle und Kolben/ Zylinder zeigten erwartungsgemäß keinen nennenswerten Verschleiß. Ich habe noch das 21er gegen ein 20er Ritzel getauscht, da mir der 4. Gang zu lang war.

Der Tank ist an der hinteren linken Aufnahme mininmal undicht. Ich hatte ihn zur Reparatur geschickt aber das hat nicht geklappt. Ich bin froh, dass der Tank wenigstens wieder hier ist ...

Im August 2013 habe ich dann mit einem Jahr Verzug die fällige HU nachgeholt. Der Tank ist nach wie vor ganz leicht undicht.

Heute habe ich die ETS mit 9.981 km in die Scheune gestellt, das heisst bei der nächsten Fahrt werden die 10.000 voll gemacht. Damit wird sich die erste Ziffer des Kilometerzählers zum ersten Mal seit 1971 bewegen. Gekauft habe ich die ETS im Jahr 2010 mit ca. 6.500 km.