Winterausrüstung

Meine Tipps für Gespannfahren im Winter

Ich muss zuerst anmerken, dass ich nicht zu den ganz zähen Winterfahrern gehöre, die schon seit Jahr und Tag der Kälte trotzen. Für mich ging es erst Ende 2010 mit dem ETZ-Gespann richtig los.
Es gab aber im Dezember schon gut Schnee und auch Temperaturen bis -20 Grad. Den Weg zur Arbeit konnte ich mit dem ETZ-Gespann trotzdem zurücklegen. Das sind 35 KM pro Strecke und da merkt man dann schon, ob die Ausrüstung wintertauglich ist oder nicht.

Mit dem Gespann fühle ich mich nach einigen Kilometern nun auch bei winterlichen Staßen halbwegs sicher. Im Winter 2009/2010 habe ich es mal ein Stückl mit der Solo-TS versucht und ich habe es dann lieber sein gelassen.

Da schon die ein oder andere Frage kam, fasse ich hier nun meine positiven und auch negativen Erfahrungen mal zusammen.

Reifen

Nach einer Woche bei Schnee war klar: Es muss ein groberes Profil rauf. Ich habe mich für 3 Mal Heidenau entschieden. Konkret sind das folgende Reifen:

  • Vorn: 3,0x18 Heidenau K41
  • Seitenwagen: 3,25x16 Heidenau K41
  • Hinten: 3,5x18 Heidenau K37

Der Unterschied ist enorm. Besonders beim Bremsen und Kurvenfahren spielen die Reifen ihre Vorteile aus. Problematisch ist nach wie vor das Fahren und besonders das Anfahren in tieferem Schnee. Bisher bleibe ich dann doch schnell mal stecken und das Hinterrad dreht nur noch durch.

Ob ich mit den Reifen die neuen gesetzlichen Bestimmungen zur der Witterung angepassten Bereifung erfülle, weiss ich auch nicht so genau. Echte M+S bzw. Winterreifen habe ich erst 1 Woche nach Montage der neuen Enduroreifen entdeckt. Nochmal wird jetzt erstmal nicht gewechselt.

Handschuhe, Handprotektoren, Stulpen

Angefangen habe ich mit Winterhandschuhen von Louis, Modell Probiker Coolbreaker II. Die Handschuhe sind nicht schlecht, aber sobald es unter 0 Grad geht, werden die Finger nach einigen Kilometern kalt und nach ein paar weiteren Kilometern sehr kalt.
Versuche mit Unterziehhandschuhen brachten keinen Erfolg.

Ich habe dann das erste Paar Lenkerstulpen gekauft, welches sich jedoch als viel zu eng herausstellte. Brems- und Kupplungsgriff lösten nicht mehr richtig und wie ich da drinne noch Gasgeben sollte war mir auch nicht klar.

Weiter ging es mit Handprotektoren, die ich noch im Regal zu liegen hatte. Diese halten zwar etwas Wind ab, aber die Problematik bleibt die gleiche: kalte Finger. Richtig grenzwertig wurde es an einem Freitag Morgen bei -20 Grad... weiter als die 35 Kilometer hätte ich da mit meiner derzeitigen Ausrüstung auch nicht fahren wollen.

Der nächste Versuch waren Nachfertigungen der DDR-Stulpen. Diese sind recht groß und können über die Handprotektoren gezogen werden. Dadurch bleibt genug Platz um die Armaturen - in der Theorie. In der Praxis haben mich auch diese Dinger nicht überzeugt. Die Stulpen blieben nicht an ihrem Platz und die Protektoren haben sich verbogen und sind verrutscht. Ich konnte mir nicht vorstellen, damit sicher zu fahren.

Nun war ich erstmal von den Stulpen geheilt und wollte mit besseren Handschuhen aufrüsten. Ich hatte aber schon so eine Ahnung, dass dies nicht zum Erfolg führen würde.

Auf eine Empfehlung hin habe ich dann noch ein Paar Stulpen der Firma Bagster probiert. Damit bin ich nun zufrieden und kann diese Lösung wirklich empfehlen. Die Bagsters zeichnen sich vor Allem durch folgende Punkte aus:

  • Befestigung erfolgt zusätzlich an den Lenkerenden. Dazu werden Kunstoffschalen auf die Griffgummis gesteckt und mit Kabelbinder fixiert. Die Stulpen werden dann an diesen Schalen verschraubt. Dadurch verrutschen die Stulpen nicht mehr.
  • In die Stulpen ist ein Kunststoffteil eingearbeitet, so dass eine hohe Formstabilität gegeben ist.
  • Der Einstieg in die Stulpen ist groß und bleibt aufgrund der genannten Formstabilität leicht zugänglich, wenn man während der Fahrt die Hand rausnimmt.
  • An den Innenseiten schließen sie relativ dicht ab (am Lenker und an den Eintrittspunkten der Hebel)
  • Die Schaltereinheit (Abblender usw.) bleibt gut benutzbar. Es ist eigentlich so gedacht, dass die Schaltereinheit ausserhalb der Stulpen liegt. Die Stulpen sind an dieser Stelle so geabreitet, dass die Schalter trotzdem mit dem Daumen bedienbar und auch sichtbar bleiben.
  • Ich habe inzwischen die Stulpe über die komplette Schaltereinheit gezogen, so dass der Schalter von innen bedient wird. Die Sache ist ja nicht so kompliziert, so dass es auch ohne Sichtkontakt geht.

Grundsätzlich kann ich mit den Stulpen um so besser fahren, je dünner die Handschuhe sind. Bei Temperaturen um die 0 Grad genügen auch recht dünne Handschuhe.

Hose

Mit einer günstigen Textilhose von Louis, langer Unterwäsche und einer Jeans (fürs Büro) ging es im Grunde. Im Schritt war die Texhose aber leider schon etwas gerissen und auch sonst leicht zugig. Ausserdem war die Hose schon immer ein bissl eng und ist trotzdem gerutscht.
Zum Winteranfang 2010 habe ich durch Zufall reduzierte Hosen der Marke RUKKA bei Louis entdeckt. Ich habe mir eine solche bestellt und bin wirklich begeistert. Sie ist gefühlte 10 Kilogramm leichter als die alte, winddicht und hält auch viel wärmer. Sie geht bis weit über den Bauch und hat serienmäßig Hosenträger. Kann ich absolut empfehlen.

Jacke

Meine Textiljacke von Vanucci hat sich nach Einknöpfen der beiden Futter auch bei -20 Grad gut geschlagen.

Sturmmaske

Habe ich auch schon vorher bei kälteren Temperaturen getragen und ist absolut empfehlenswert. Die Maske sollte den Hals vollständig abdecken und noch bis unter die Jacke reichen. Es sollte ein Windstopper-Material sein. Für den Winter werde ich mir wahrscheinlich noch eine Maske holen, wo wirklich nur noch die Augen frei sind.
Unter der Maske empfehle ich im Halsbereich einen Pullover mit engem Kragen. Ich bin ein Mal bei richtiger Kälte nur mit der Maske gefahren und musste nach 10 Kilometern anhalten und mir einen Putzlappen aus dem Kofferraum um den Hals wickeln. Die Maske hielt zwar den Wind ab, drückte aber so kalt direkt auf den Hals, dass es schon weh tat. Man braucht eine halbwegs dicke Stoffschicht zwischen Maske und Haut.

Helm

Mein Nolan Helm mit Pinlock-Visier schlägt sich bisher noch ganz gut. Allerdings ist das Modell etwas zugig und könnte winddichter sein. Das Pinlock ist Gold wert, weil es das Beschlagen wirksam verhindert. Allerdings bildet sich bei richtig kalter Witterung auch Eis am Visier.
Der weitere Winterverlauf wird zeigen, ob der Helm sich weiterhin gut schlägt.

Schuhe

Die Schuhe sind eines der größten Probleme. Die Zehen reagieren auf Kälte noch schlimmer als die Finger. Angefangen habe ich mit Winterbaustiefeln vom Gewerbeausstatter. Diese waren allerdings schon nicht mehr wasserdicht und dadruch innen feucht. Das habe ich zunächst gar nicht so gemerkt und erst nach einem Neukauf und einem Wassertest im Spülbecken mitbekommen. Nasse Schuhe machen natürlich kalte Füße.

Das nächste Paar waren dann Arbeitsschuhe der Marke Haix. Das sind sehr schöne, robuste Schuhe und auch wasserdicht. Jedoch reichen die allein nicht aus. Um im Inneren noch mit Filzschuhen o.ä. zu operieren sind meine aber zu klein, obwohl ich schon die 47 habe.

Jetzt bin ich bei Winter-Gummistifeln von Kamik, Modell Icebreaker gelandet. Diese haben einen herausnehmbaren Innenschuh aus 8mm filzähnlicher Spezialfaser. Der wirkliche Fahrtest steht noch aus. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass diese Stiefel mit 2 Paar Socken an den Füßen auch bei stehender Tätigkeit im Freien warm halten.

Sobald längere Fahrerfahrungen vorliegen gibt es die Ergebnisse hier zu lesen.