Sauer ETZ 309 Gespann

Perfekt umgebautes Gespann

Im Mai 2011 wurde im MZ-Forum (www.mz-forum.com) unter dem Titel "Echtes Leckerchen" auf eine ebay-Auktion hingewiesen. Ich habe wie so oft mal reingeschaut. Zur Versteigerung kam ein Sauer ETZ 309-Gespann. Dieses Fahrzeug wurde auf Basis eines fabrikneuen ETZ 251 Gespanns in der Gespann- und Motorenschmiede Peter Sauer sehr aufwändig umgebaut. Im Ergebnis entstand ein echtes Sauer-Gespann, welches hier nun zum Verkauf stand. Nach langer Standzeit benötigt es eine technische Überholung, jedoch sind die gemachten Umbauten, der Gesamtzustand und die erhaltenen Dokumente wirklich etwas sehr besonderes.

Ich habe zunächst nicht weiter daran gedacht, da ich einerseits einen sehr hohen Endpreis erwartet habe und andererseits am kommenden Wochenende mit meinem 301er ETZ-Gespann zum MZ-Forumstreffen nach Bayern fahren wollte.

Nach dem Treffen und einem 1000km Gespannwochenende habe ich am Montag in die Auktion reingeschaut und der Preis dümpelte noch irgendwo um die 1.000 Euro herum. Ich habe dann scharf nachgedacht und schließlich mein Höchstgebot abgegeben.
Die Auktion endete am Mittwoch Morgen um kurz nach 9:00 Uhr. Zu dieser Zeit wartete ich zusammen mit meiner Frau und meinem Sohn beim Arzt, da wir einen Termin zum Ultraschall für das 2. Kind hatten. Im Anschluß habe ich noch Räder zum Speichen gebracht und bin erst danach ins Büro gefahren. Natürlich war ich nun neugierig. Ich hatte damit gerechnet und auch ein bisschen darauf gehofft, überboten zu werden doch die EMail "Sie wurden überboten" erschien nicht ... Dafür erschien "Herzlichen Glückwunsch". Der Blick auf den Preis ließ mich dann Aufatmen: 1630 Euro war nun wirklich ein Glücksgriff und es bestanden auf meiner Seite keine Zweifel mehr, trotzdem das Gespann aus Hamburg abgeholt werden musste.

Abholung

Nach einigen Schwierigkeiten (habe zwar einen Transporthänger aber keine Kupplung am Auto) hilft mir ein Freund das Gespann zu holen. Es klappt alles reibungslos, die Fahrt dauert aber wie so oft länger als zunächst gedacht.

Als das Gespann dann abends auf dem Hof steht ist die Freude um so größer.

Zum Gespann

Basisfahrzeug ist ein MZ ETZ 251 Gespann Baujahr 1990. Peter Sauer hat daran eigentlich alles umgebaut, was an einem Gespann machbar ist und auch noch ein Bisschen mehr:

  • Vorderrad Schwingengabel mit verstellbarem Nachlauf
  • 15" Hinterrad mit 125 R15 PKW-Reifen
  • 16" Vorderrad
  • 22 Liter Alutank
  • Heizgriffe
  • Verbesserte SW-Scheibe
  • Regenverdeck für Seitenwagen
  • Umbau des Motors auf 300ccm/ 27PS mit Mahle Kolben. Erkennbar u.a. an der Gravur auf dem Zylinderdeckel
  • Seitenwagen-Gepäckbrücke
  • Neue Lackeirung in schwarz/ silber

Der Umbau ist durch eine Originalrechnung dokumentiert (s. rechts). Der Grundpreis des Serien-Gespanns betrug 5.480 DM, das fertige Sauer-Gespann kostete dann 12.264 DM.

Bei näherem Hinsehen stellte sich heras, dass bis auf den Auspuff nichts vergammelt oder verrostet ist. Der Verkäufer (Erstbesitzer) hatte das Gespann immer mit Owatol konserviert. Der Lack ist ebenfalls noch sehr schön erhalten.

Bei KM-Stand 22.700 im Jahre 1993 war das Gespann aufgrund eines Lagerschadens durch zu straffe Kette nochmal bei Sauer. Der gesamte Motor inkl. Kupplung, Kurbelwelle und Kolben/Zylinder wurde überholt. Die Rechnung für alle Arbeiten belief sich auf 4.685,04 DM.
Beim Kauf hat das Gespann ca. 35.000km runter, d.h. die technische Basis dürfte in Ordnung sein.

Wie geht es weiter?

Das erste Problem, ein durchrutschender Kickstarter, konnte mit 2 Schlägen mit dem Gummihammer beseitigt werden. Allerdings trennt die Kupplung nicht. Diese muss also untersucht und gereinigt bzw. überholt werden. Die Wellendichtringe der Kurbelwelle werde ich ebenfalls erneuern. Dabei wird der Motor einer Detailprüfung unterzogen.

Die Seitenwagenbremsanlage ist zwar komplett vorhanden jedoch im Moment fest. Hier muss ebenfalls eine Instandsetzung geschehen.

E steht natürlich auch das übliche, also Reinigung von Tank und Vergaser, Überprüfung der Elektrik und Wiederbelebung der Scheibenbremse an.

Der optische Zustand des Gespanns ist sehr gut, so dass nach den technischen Dingen einer Zulassung nichts mehr im Weg steht.

2.6.2011

Himmelfahrt. Nach einer Gespannrunde mit Verwandten und Bekannten kann ich den Sauer Motor am Abend zum Leben erwecken. Der Tank ist zwar schon gereinigt, allerdings sind die Benzinhähne total zerfressen und ein kleiner Becher kommt als Behelfstank zum Einsatz. Zum Starten reicht ein Ladegerät.

Nach ein paar Tritten läuft der Motor schön ruhig vor sich hin.

6.7.2011

Neue Benzinhähne sind montiert und Sprit ist im Tank. Eine neue Batterie habe ich noch nicht, daher gibt es einen fliegenden Start mit Ladegerät. Zuvor habe ich den Bremshebel des Seitenwagens abgebaut, damit wenigstens die Hinterradbremse funktioniert.

Die Maschine springt gut an und ich kann die ersten paar 100 Meter fahren. Die Schwinge und die kleinen Räder machen sich sofort positiv bemerkbar. Der Motor hat eher ETZ-250-Charakteristik, der Werks 301er zieht von unten besser durch.

20.7.2011

Der 30N3-1 Umluftvergaser machte Zicken. Nach einer nochmaligen Zerlegung und Reinigung wird es nicht wirklich besser. Schlechter Kaltstart und nur bis zum zweiten Gang fahrbar. Nach 35.000km ist der Vergaser vermutlich am Ende seines Lebens angelangt. Der orginale Anschluß am Ansaugstutzen ist zudem konstruktiv schlecht und man kann sich nie sicher sein, ob doch Nebenluft gezogen wird.

Kurzerhand tausche ich Vergaser und Ansaugstutzen aus. In der Werkstatt liegt nämlich noch ein schöner Bing-Vergaser mit auf Klemmanschluß umgebautem Ansaugstutzen. Das wird nun angebaut und der alte Vergaser samt Stutzen wandert in den Karton, in dem restlichen Ersatzteile des Gespanns liegen.

Das Gespann springt sofort an und läuft nun bestens. Der Durchzug von unten ist auch spürbar gestiegen.
Ich kann nur jedem raten, der mit seinem Steck-BVF Probleme hat, lieber gleich auf einen Klemm Bing umzubauen - das lohnt sich. Den Ansaugstutzen baut Gabor Pirntke in Berlin um. Den passenden Vergaser hat er auch. Ist nicht ganz billig aber auch nicht teurer als originale und neue BVF-Vergaser.

 

 

31.10.2011

Im September habe ich nun endlich richtig angefangen. Der Motor musste leider komplett auf, da eine Schaltfeder gebrochen ist.

Kolben und Zylinder gingen nach Baden Würtemberg zum Profi. Der Zylinder wurde nachgehohnt und der Mahle-Kolben hat einen neuen L-Kolbenring bekommen. Vielen Dank nochmal an trabimotorrad aus dem MZ-Forum.

Lager und Wellendichtringe wurden erneuert und der Motor ist heute, am 31.10.2011 wieder zusammengebaut. Die Kurbelwelle war noch in Ordnung und musste nicht regeneriert werden.
Leider waren einige Lagersitze im Motorengehäuse aufgeweitet. Ich vermute, dass dies an vergangenen Demontagen im kalten Zustand liegt. Da sich ein neues Gehäuse für den Getrenntschmierer schwer besorgen lässt und sie Lager auch noch kein radiales Spiel hatten, hab ich mich für Lagerkleber entschieden.

Da die originale DDR-Elektronikzündung rein optisch nicht mehr den besten Eindruck macht, werde ich eine MZ-B nur Zündung verbauen.

Alle Bremszylinder sind ebenfalls zerlegt und warten auf die Aufarbeitung.

6.7.2012

Am Rande der Legalität fahre ich auf Waldwegen zur HU. Der Prüfer schlägt wegen der Umbauten zunächst die Hände über dem Kopf zusammen. Ein Vollgutachten kann er in der Werkstatt dafür nicht machen.
Das Gespann ist seit 1995 ohne TÜV, wurde aber zum Glück erst im September 2009 abgemeldet. Der Prüfer macht daraufhin eine einfache HU und ich kann das Gespann noch am Vormittag zulassen.

1.8.2012

Es geht zum Familiencamping in die Schorfheide. Die Ausrüstung für meinen Sohn und mich inklusive großem 4 Personen Zelt findet auf dem Gespann Platz.

 

Oktober 2015

Ich fahre das Gespann nach wie vor regelmäßig wenn auch meine Motorradkilometer aufgrund des Radfahrens massiv zurückgegangen sind.

Ich hatte immer wieder mit der Sekundärabdichtung des Hauptbremszylinders der Vorderbremse zu kämpfen. Die Abdichtung wurde immer wieder leicht undicht und Bremsflüssigkeit trat aus. Prinzipiell funktioniert die Bremse trotzdem aber auf Dauer muss das natürlich dicht werden.

Als Ursache für den schnellen Verschleiss sämtlicher verbauter Dichtringe hatte ich von Anfang an den Bremskolben unter Verdacht. Leider gibt es diese Kolben nicht in brauchbarer Qualität zu kaufen.
Ich habe eine Nachfertigung gekauft, jedoch war das Teil an der Dichtfläche so uneben, dass im Vergleich der alte Kolben noch besser war.
Einen Einbau kann man sich dann gleich sparen. Ich habe es also immer wieder mit dem Gebrauchtteil versucht - und es wurde immer wieder leicht undicht.

Im September 2015 hat mir ein Bekannter einen Bremskolben aus Edelstahl angefertigt. Diesen habe ich nun verbaut und natürlich den speziellen Wellendichtring von www.guesi-motorradteile.de verwendet.
Die ersten gut 100km sind gefahren und die Bremse bleibt dicht. Ich hoffe, dass das Problem damit vom Tisch ist.