Teil 1

Der Anfang

 

Montag, 2.4.2012

Ich bekomme einen Anruf. Ein Bekannter, den ich schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen habe ist am anderen Ende der Leitung. Er ist kürzlich Vater geworden und war mit seinem Sohn im Kinderwagen unterwegs. Dabei hat er in einem Garten ein altes Motorrad stehen sehen.
Er war neugierig, hat ein Bissl geschaut und wurde dann vom Besitzer angesprochen. Es sollte sich um eine alte DKW handeln, die eine liebevolle Hand sucht.

Da mein Bekannter ein Motorrad aus aktueller Produktion fährt, hat er an mich gedacht und angerufen.

Wir verabreden uns für Mittwoch.

Mittwoch, 4.4.2012

Wir fahren zusammen hin, um uns das Motorrad anzusehen. Ich war eigentlich sicher, dass es sich um eine Nachkriegs DKW aus westdeutscher Produktion handeln würde. Es kam aber anders: Zum Vorschein kommt eine DKW SB 200 aus den 30er Jahren. Der Zustand schreckt auf den ersten Blick ab. Bei genauerem Hinsehen ist aber alles dran, was zu einem Motorrad gehört. Die Maschine steht lange und der Zahn der Zeit hat eben daran genagt.

Ich habe schon desöfteren mit einer Vorkriegs- oder frühen Nachkriegsmaschine geliebäugelt. Nun ist der Moment gekommen, um die Herausforderung anzunehmen und diese DKW wieder in Gang zu bringen.

Ich fahre nach Hause und hole den Motorrad-Hänger, um die DKW mitzunehmen. Der Besitzer erzählt noch ein paar Dinge zur DKW. Gegen 21:45 Uhr bin ich wieder daheim.
Ich fahre am nächsten Tag noch eine zweite Tour, da neben der 200er auch noch eine zerlegte SB 350, eine ETZ 250 Polizei und diverse Teile mit dazu sind. Für die 350er SB gibt es einen eigenständigen Artikel: DKW SB 350

Die SB wurde bis 1979 gefahren und wurde nach dem Krieg ein wenig umgebaut:

  • Telegabel anstelle Parallelogrammgabel. Es handelt sich wohl um einen Zubehörartikel, der nach dem Krieg zum Nachrüsten verschiedenster Motorrad Typen verwendet wurde. Wer kann sagen, woher diese Gabel stammt?
  • Scheinwerfer aus BK oder AWO-T
  • MZ-Rücklicht
  • Jikov Vergaser (original ist AMAL)
  • MZ-Hupe
  • Der Tank wurde umgeschweisst. Die Aufnahme für die Schaltkulisse wurde mit einem Blech verschlossen. Im hinteren Bereich wurde die Halterung entfernt und Platz für den Fahrersitz geschaffen.
  • Fahrersitz vermutlich von einer AWO-T

Die Umbauten sind aber gut gemacht und fallen auf den ersten Blick nicht auf.

Die nächsten Tage...

Ostern steht vor der Tür und ich habe etwas Zeit, um mit Ballistol und Owatrol erste Reinigungs- und Konservierungsmaßnahmen einzuleiten.

An vielen Stellen kommt der schwarze Lack wieder hervor. Der Tank sieht relativ schlecht aus, jedoch ist das DKW-Auto Union Logo auf der rechten Seite noch zu sehen.

Ich finde Fahrgestell- und Motornummer und schlage diese in einer Liste nach. Laut FIN handelt es sich um eine DKW SB 250 von 1938. Die Motornummer gehört allerdings zu einem SB 200/250 Motor von 1936. Auf dem Zylinder finde ich eine "60". Dies bedeutet 60mm Bohrung, also 200ccm.

Motor und Fahrgestell gehören offenbar nicht zusammen. Das spielt aber letztenendes keine Rolle. Die Maschine fasziniert auch so.

Samstag, 7.4.2012

Demontage von Sozius, hinteren Fußrasten und Zusatzgepäckträger. Das hintere Schutzblech ist beschädigt. Alle demontierten Teile werden in einer Kiste verwahrt.

Durch die Behandlung mit Kriechöl in den vergangenen Tagen, lassen sich die Schrauben lösen. Es reißt entgegen meinen Erwartungen nichts ab. Der Zustand stellt sich nun wesentlich besser dar, als ich zunächst gedacht habe: Die Kupplung, beide Bremsen und der Motor sind mechanisch in Ordnung und funktionieren.
Ich werde die DKW mit einer Minimalelektrik noch einmal zum Laufen bringen, bevor die gründliche technische Instandsetzung beginnt.

Genau so wie die Maschinne jetzt optisch da steht, wird sie bleiben. Es gibt nur eine technische Instandsetzung und Konservierung.

Da die vorgenommen Umbauten einen guten Eindruck machen, werde ich auch diese so belassen. Sie gehören zur Historie dieses Fahrzeuges.

Montag, 9.4.2012

Ich beginne damit, den Unterbrecher instand zu setzen. Innerhalb der SB-Reihe gibt es offenbar verschiedene Kupplungsdeckel und Kupplungsbetätigungen. Das Heckschutzblech unterscheidet sich ebenfalls.

 

 

September 2012

Ich kann ein paar Ersatzteile erwerben. Darunter ist eine schöne Auspuffanlage für die 200er. Da die montierte ES-Auspuffanlage teilweise durchgerostet ist, wird diese gegen den passenden DKW Auspuff getauscht. 1 Krümmer fehlt allerdings noch.

Am Vorderrad entferne ich mit der Drahtbürste losen Chrom und Rost und konserviere anschließend mit Owatrol. Speichennippel und Speichen sind in wesentlich besserem Zustand als zunächst angenommen. Das Ergebnis erfreut mich ausserordentlich.

 

 

 

Oktober 2012

Die DKW wird erstmal zerlegt, um alle Teile konservieren zu können. Der Motor braucht eine Revision, macht aber einen guten Eindruck.

Die Passung für den Fußrasten Vierkant ist ausgeschlagen. Rahmen und auch das hintere Schutzblech gehen zum Metallbauer im Ort. Das Problem ist schnell gelöst. Der Fachmann schweisst 2 gekürzte Winkeleisen zwischen die Rahmenteile, so dass ein Vierkant Hohlraum entsteht. Die Fläche ist damit viel größer und der Bolzern sitzt wieder vernünftig. Ist wesentlich robuster als die originale Ausführung.

Über ebay habe ich eine zweite Telegabel erworben. Ich zerlege zunächst je einen Holm beider Gabeln. Ergebnis:

  1. Die Gabel aus der SB ist verschlissen. Die Gleitbuchsen sind aus Kunststoff (wohl Pertinax) und aufgerieben. Die übrigen Teile zeigen ebenfalls Verschleissspuren.
  2. Die neue Gabel ist technisch einwandfrei und wird größtenteils in das Fahrzeug übernommen.

Bei der Gabel handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Zubehörprodukt, welches in den 50er Jahren universell zum Nachrüsten von älteren Motorrädern entwickelt wurde. Ich habe auf einem Teilemarkt auch schon eine baugleiche Gabel gesehen, die jedoch einen anderer Gegenhalter für die Bremstrommel hatte.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, verfügt die Gabel auch über eine hydraulische Dämpfung.

 

 

November 2012

Der Motor wird komplett zerlegt. Dank einfacher Technik klappt das problemlos. Kurbelwelle, Getriebe und Kolben/ Zylinder machen einen guten Eindruck.

Leider ist die Kupplung verschlissen, da ein Bolzen zur Verschraubung gebrochen ist und in der Folge die Lamellen schräg eingelaufen sind.

Der Zusammenbau wird sich etwas hinziehen, da das Besorgen aller benötogten Teile nicht so einfach ist.

 

1. Dezember 2012

Ich widme mich dem Tank. Der Lack an der Oberseite ist extrem schlecht und löst sich an vielen Stellen ab. Wenn man mit der Hand über den Tank streicht, besteht die Gefahr, sich Splitter zu holen.

Dies soll nicht so bleiben. Zunächst hatte ich an dieser Stelle eine Teillackierung geplant. Nach ersten Schleifversuchen greife ich zu Cuttermesser und Schraubenzieher und kratze die gesamte Tankoberseite frei.
Nachtrag 2015: Hier würde ich heute mit Abbeizer (z.B. aus dem Baumarkt) arbeiten. Dieser entfernt nachträglich aufgetragene Acryllacke und schont die drunterliegende Verchromung und sogar originale Nitrolacke.

Es kommt ein Chromschicht zum Vorschein, die für mich akzeptabel ist und somit sind die Neulackierungspläne an dieser Stelle vom Tisch.

Diese DKW ist patinamäßig sicher nichts für Einsteiger und ich bin auf das Ergebnis schon sehr gespannt.