Teil 3

Instandsetzung des Motors

 

Januar/ Februar 2013

Der Motor ist demontiert. Ich komme nur schleppend voran. Immerhin habe ich Lager und Wellendichtrunge bereits vorrätig.

Nach und nach säubere ich die Einzelteile. Im Februar kann ich das Kurbelgehäuse wieder zusammen setzen. Die Lagerschalen sitzen teilweise nicht mehr 100% im Gehäuse. Ein paar Körnerschläge in den Lagersitzen sowie spezieller Kleber helfen hier.

 

 

24.2.2013

Ich setze das Getriebe wieder zusammen. Im Grunde klappt alles wie am Schnürchen. Am Abend möchte ich den Deckel über den Getriebelagern auf der Kupplungsseite nochmal abnehmen, da ich das Zahnrad für den Kickstarter vergessen habe.

Dummerweise gelingt das nicht mehr. Aus irgendeinem Grund hatte ich zuvor die sechs nicht mehr all zu schönen Schlitzschrauben mit Schraubensicherung mittelfest montiert. Drei der Schrauben liessen sich nicht mehr lösen. Versuche mit den eigentlich bewährten Linksausdrehern scheiterten leider. Zu allem Überfluß ist auch noch ein Ausdreher abgebrochen. Machmal läuft es eben nicht so wie es soll.

Ich habe dann die Schrauben so weit zerstört, dass ich den Deckel runter bekommen habe. Nach einigem Überlegen habe ich entschieden, dass dieser Deckel auch mit drei Schrauben halten wird und die herausstehenden Reste der missglückten Schrauben abgeschliffen.

Gegen 22:00 Uhr ist das Zahnrad am Platz und der Deckel wieder angeschraubt - mit 3 Schrauben und natürlich ohne Schraubensicherung.

 

27.2.2013

Da die verbaute Kupplung aufgrund eines abgerissenen Haltebolzens nicht mehr funktionierte und schräg eingelaufen war habe ich ein Spender-Getriebe erworben und von diesem die komplette Kupplung übernommen.

Das Spannen der Kupplung und Aufsetzen der benötigten Teile gestaltet sich ohne Helfer relativ schwierig. Mir gelingt es, zunächst nur die erste Platte aufzusetzen und zu verschrauben. Auf diese Weise kann ich die Kupplung spannen. Im Anschluß habe ich den Motor im Montagehalter mit der Kupplung nach unten gedreht und diese mit dem Druckstück und Holzstücken gegen die Werkbank fest geklemmt. Danach konnte ich die Muttern wieder lösen und alle Teile montieren.

Nachdem die Kupplung drauf war und die Sicherungsbleche umgelegt waren musste ich festgestellen, dass es unterschiedliche starke Druckbolzen gibt. Auch konstruktiv unterscheiden sich die Druckbolzen im Detail.
Der neue hat 8,5mm, der alte 10mm. Damit ist die Gleitbuchse im Kupplungsdeckel zu groß. Ich habe dann erstmal das Licht in der Werkstatt aus geknippst und Feierabend gemacht.

 

28.2.2013

Am nächsten Tag dann die Überraschung: An einem Spender-Gehäuse mit Kupplungsdeckel ist die passende Buchse montiert. Der Umbau geht fix - Problem gelöst.
Dafür passt die Deckeldichtung nicht. Ich habe versehentlich eine Dichtung für den 350er Motor bestellt.

Ich habe sogar noch Zeit, den bei eBay erworbenen Kickstarter im Deckel zu montieren. Im alten ist die Schraube zur Befestigung des Fußstücks abgebrochen und genadenlos fest.

Die Konstruktion des Kickstarters ist der der späteren 250er MZ-Modelle nicht unähnlich. Der Kicker wird vorgespannt im Deckel montiert und verbleibt auch beim Abnehmen des Deckels dort.

Der Gummianschlag im Deckel ist verschlissen. Zu meinem Erstaunen passt hier das MZ-Teil, welches von 1956 bis 1991 an allen großen MZ-Motoren an genau der selben Stelle verbaut wurde.

 

 

3.3.2013

Leider hat die Lichtmaschine einen Defekt und ich muss diese komplett zerlegen. Der Plusanschluss der Erregerwicklung über den Regelwiderstand ist tot. Ich messe zwar 4 Ohm zwischen DF und und dem Minus des Spulenpakets, zwischen dem Anschluß am Widerstand und Masse ist jedoch kein Durchgang. Leider befindet sich der Widerstand im Spulenpaket.

Das Trennen der beiden Kernhälften gestaltet sich schwierig, da die Schrauben hin sind. Ich bohre diese aus und es gelingt auch, die Gewindereste heraus zu drehen.

Ich kann dann das Spulenpaket herausnehmen und beginne zum ersten Mal in meiner Schraubekarriere, das Isolierband des Pakets abzunehmen. Der Fehler ist schnell gefunden: Das "angetüdelte" Drahtende am Anschluß des Widerstandes hat keine Verbindung mehr. Der Widerstand selbst scheint nur ein außen um das Paket gewickelter langer Draht zu sein.

Da das Paket schonmal offen ist, möchte ich gleich alle 3 Anschlüsse erneuern, da die Litze schon relativ schlecht aussieht. Ich muss dazu erstmal klären, wie man den massiven aber sehr dünnen Anschlus der Spule mit der Litze verbindet. Zum Schluß muss das Paket wieder vernünftig isoliert werden, damit es dauerhaft funktioniert.

 

5.3.2013

 

Da ich bei der Lichtmaschine erstmal nicht weiterkomme, widme ich mich dem Zylinder. Die Kanten an den Überströmern sowie Ein- und Auslass bearbeite ich noch ein wenig mit der Rundfeile. Hier sollte es keine scharfen Kanten geben, da dies nicht gut für die Kolbenringe ist.

Nach Reinigung aller Teile geht es an die Montage. Beim Putzen kommen 4 schöne RIBE Schrauben an den Deckeln der Überströmer zum Vorschein. RIBE Schrauben sind ja quasi das Salz in der Suppe bei solch alten Fahrzeugen ;)

Ein Problem gibt es mit dem Kolbenbolzen. Dieser ist etwas zu lang und ich bekomme immer nur einen Sicherungsring an seinen Platz. Ich nehme mit der Feile knapp einen Millimeter weg und dann passt es. Mir war bei der Demontage schon ein loser Sicherungsring aufgefallen aber ich hatte das nicht weiter verfolgt. Dieser Ring hat dann schon vorher nicht richtig gesessen.

Der Rest der Montage läuft nach Plan.

Ich möchte es nun wissen und setze den Kupplungsdeckel erstmal ohne Dichtung drauf. Der Mitnehmer für das Kickstarterrad ist etwas fummelig und irgendwie geht der Deckel nicht ganz drauf. Es bleibt immer ein Spalte von ca. 5mm. Ich messe nach und stelle fest, dass ich die Kickstarterwelle falsch zusammen gebaut habe. Ich habe eine ca. 5mm breite Distanzhülse innen mit auf die Welle geschoben. Diese gehört aber nach aussen unter die Kurbel. Dadurch stand die Welle zu weit nach innen und der Kupplungsdeckel ging nicht drauf. Also muss die Kurbel nochmal runter ...

... auch erledigt und nun passt es. Der Deckel wird mit 2 Schrauben befestigt und dann trete ich das Motörchen mal durch. Die Kupplung rutscht nicht und Ansaugen sowie Kompression sind gut vorhanden.

Es ist schon wieder 23:00 Uhr durch und um diese Zeit kann man beinahe sentimental werden, wenn man vor einem knapp 80 Jahre alten Motor steht, der  nun der Vollendung entgegen strebt.

Sobald die Lichtmaschine komplett ist, werde ich den Motor einbauen und einen Testlauf machen.