Teil 4

Zusammenbau

8.4.2013

Der Zwischenstand:

  • Erregerspule der Lichtmaschine wurde beim Fachmann abgegeben. Dieser wird die Anschlüsse erneuern und aufkommende Schäden an der Isolierung so gut wie möglich ausbessern.
  • Bremsbacken gehen zum Aufarbeiten
  • Nach Erwerb eines gut erhaltenen Hinterrades inkl. Antrieb und Bremse wurde das Hinterrad mit neuen Lagern und Reifen versehen und montiert. Das gekaufte Rad hatte zwar Rost angesetzt, erwies sich verschleißmäßig aber in sehr schönem Zustand. Die genieteten Bremsbacken verwende ich weiter. Radlager und Bereifung waren noch original Vorkrieg und werden natürlich aufbewahrt.
  • Haltelasche für Heckschutzblech sowie der rechte Lampenhalter sind beim Metallbauer abgegeben, da Schweißarbeiten erforderlich sind.
  • Obwohl ich mehrere Krümmer erworben habe, habe ich nur einen passenden dabei. Der zweite wird aus einem gekürzten, jecdoch vom Winkel passenden Krümmer verlängert. Damit hat die Suche ein Ende.
  • Den Tank habe ich innen mit Kaltreiniger und Kieselsteinen gereingt. Eine Ablauföffnung für den Ausgleichsschlauch musste ich mühsam freikratzen, da diese total verharzt war.
  • Am Heckschutzblech gibt es einige großflächig blanke Stellen, unter anderem aufgrund einer Reparaturschweissung. Ich entscheide mich, hier mal eine Teillackierung zu versuchen.
    Am Ende habe ich doch das ganze Schutzblech mit neuer Farbe versehen, da eine teilweise Lackierung sehr schwierig hinzubekommen ist.
    Fazit: Bei erhaltenem Originallack sollte man das einfach sein lassen. An der DKW spielt es nicht die entscheidene Rolle und es sieht nicht schlecht aus.

Die beiden Bilder vermitteln jetzt schon einen guten Eindruck wo die Reise hingehen wird.

Am Abend widme ich mich der Hupe. Dank Rostlöser "99" gehen alle Schrauben auf und innen sieht es einwandfrei aus. Kein Dreck, kein Rost.

Ich dachte erst, dass es sich um eine MZ-Hupe handelt. Im inneren ist jedoch ein Kondesator zu finden und die Einstellung geschieht von vorn durch das Gitter. Dazu kann in der Mitte ein kleiner Deckel abgeschraubt werden, um die Einstellschraube zu erreichen.

Möglicherweise handelt es sich sogar um die "echte" DKW Hupe.

Nach einer Reinigung und Konservierung der Einzelteile baue ich alles wieder zusammen. Eine elektrische Messung zeugt, dass kein Masseschluß vorhanden ist und zwischen den Anschlüssen Durchgang besteht. Ich halte mal eine alte 6-Volt-Batterie an die Klemmen und die Hupe tut ihren Dienst.

 

9.4.2013

Ich schaue mir mal das Rücklicht von innen an. Sieht soweit gut aus. Da offenbar irgendwann vor vielen Jahren einmal keine Glühlampe für das Bremslich aufzutrieben war, wurde eine Sofitte eingebaut und der Masseanschluß mit einer kreativen Drahtwicklung realisiert.

 

 

11.4.2013

Am nachgerüsteten Bremslichtschalter bricht leider eine Kontaktfahne ab. Diese ist angenietet und man kommt schlecht an die Verbindung ran. Mal schauen, ob sich der Schalter noch retten lässt.

 

 

 

11.5.2013

Es geht voran. Die defekten Teile sind vom Schweissen zurück. Am rechten Lampenhalter wurde viel repariert, daher bekommt er neue Farbe. Der linke Halter bleibt unberührt.

Die Anschlüsse am Spulenpaket der Lichtmaschine sind repariert und ich schaffe die Teile noch zu einem Spezialisten, der das die neu bandagierte Spule tränken und trocknen wird.

Ich habe mich zwischenzeitlich den Lenkerarmaturen gewidmet. Ursprüngliche Pläne an dieser Stelle etwas klassischeres aus meinem Fundus zu montieren verwerfe ich. Diese DKW lebt von der Authentizität, d.h. die Prämisse liegt ganz klar bei der Erhaltung der ursprünglichen Substanz. Der Grifgummi auf der Gasseite ist zerfallen und wird ersetzt. Der Gummi auf der Kupplungsseite sieht nach einer Reinigung und Behandlung mit Silikon wieder schön aus. Die Gasarmatur mit Bremshebel reinige ich intensiv. Auf den Sockel für den MZ-Blinkschalter montiere ich eine Blindkappe der ETS. Dieses Teil war bei den Teilen zur DKW mit dabei und damit ergibt das durchaus einen Sinn.

Auf der Kupplungsseite ist ein Spitzhebel montiert, der jedoch schon tiefe Fraßspuren (Korrosion) zeigt. Ich tausche diesen daher gegen das optisch passenden Gegenstück zum Bremshebel aus. Damit sind die Armaturen die alten geblieben - bis auf den Gasdrehgriff und den Griffhebel für die Kupplung.

Der Metallbauer hat aus den ursprünglich montierten Krümmern der MZ-Anlage einen passenden gebaut (verlängert).

 

Am 11.5. baue ich den Spulenkasten an und fange mit der Verkabelung an. Im Kabelbaum zum Scheinwerfer muss ein Kabel getauscht werden. Ich ziehe noch zwei weitere Strippen mit ein, um die im Schweinwerfertopf vorhandene Ladekontrollleuchte mit der entsprechenden Funktion zu versehen.

Weiterhin entschließe ich mich, die hintere Tankbefestigung unter dem Sitz als Massepunkt zu verwenden. Alle Massekabel erhalten einen Rundkabelschuh und werden dort verbunden.

Am Abend des 11.5. ist es dann soweit und der erste elektrische Verbraucher - das Standlicht vorn - kann über den Spulenkasten ein- und ausgeschaltet werden.

Miitwoch, 15.5.2013

Das Rücklicht wird angebaut und angeschlossen. Das Licht funktioniert, für das Bremslicht fehlt noch die Plusleitung, die über einen Nachrüstschalter laufen muss.

Donnerstag, 16.5.2013

Die Lichtmaschine inkl. Zündung ist montiert. Zündfunke ist vorhanden. Ich will es jetzt wissen und baue Benzinschlauch und Gasbowdenzug an.

Im Anschluß kommt ca. 1 Liter Mischung in den Tank. Nach Aufdrehen des Benzinhahns sprudelt der Kraftstoff in den Vergaser. An den aufsteigenden Bläschen sehe ich, dass der Schwimmer geschlossen hat.

Ich drücke den Tipper am Vergaser und trete den Kickstarter drei Mal ohne Zündung durch.

23:00 Uhr - jetzt wird es spannend: Zündung an und antreten. Der Motor ist über 30 Jahre nicht gelaufen. Beim 2. Tritt der erste Ton. Beim 3. Tritt läuft der Motor.

Die Auspuffanlage lässt wesentlich mehr Geräusch durch als ein Nachkriegs MZ-Auspuff. Klingt gut!

Eigentlich wollte ich diesen Moment auf Video festhalten, jedoch fehlte dazu die Kamera und das Tageslicht. Das wird aber nachgeholt.

 

Freitag, 17.5.2013

Das Video ist im Kasten: Start DKW SB 200 auf Youtube

Sonntag, 26.5.2013

Während die Kinder Mittagschlaf machen kürze ich die neue Kette und baue diese an. Ein halbwegs passender Kupplungszug ist schnell gefunden. Damit ist die DKW für eine Testrunde bereit. Ich schaffe es, die Geduld aufzubringen und zu warten, bis meine Frau diesen Moment mit der Kamera festhalten kann.

Nach dem Kaffeetrinken soll es soweit sein. Zuerst will der Motor nicht starten. Es stellt sich heraus, dass ich wieder mit dem Vergasertipper zu vorsichtig war. Für den Kaltstart braucht der Motor offenbar ordentlich Sprit.

Ich versuche, den Moment mit Worten zu beschreiben: Die Kamera läuft mit geschlossener Objektivkappe. Meine Frau macht gekonnt die Kappe ab und ich gehe zum Motorrad. Ich sage ein paar Worte und muss nochmal tippen, damit der Motor startet.

Der Motor läuft ich setze mich auf die DKW und ziehe den Fußschalthebel nach oben. Beim zweiten Mal ist der 1. Gang drin. Ich weiss nicht, ob das Motorrad fahren wird oder gleich die Kupplung durchrutscht oder sonstwas passiert.

Ich lasse die Kupplung los, gebe Gas und die DKW setzt sich ganz geschmeidig in Bewegung. Wie von 2-Taktern mit niedriger Leistung gewohnt, zieht der Motor schön sanft von unten heraus.

Ich trete den Schalthebel nach unten und der 2. Gang ist drin. Ich hatte erwartet, dass zwischendrin noch ein Leerlauf kommt.

Ich fahre die Straße ein paar Mal auf und ab. Beim Umdrehen bemerke ich jedes Mal, dass der erste Gang relativ schwierig einzulegen ist. Man landet erstmal im Leerlauf und muss dann den Hebel ziemlich weit nach oben ziehen. Letztenendes sind meine Beine definitv auch etwas zu lang für das Motorrad.

Die Hinterradbremse (Hackenbremse) ist ebenfalls gewöhnungsbedrüftig.

Das ist aber alles erstmal egal. Die DKW fährt und das gar nicht schlecht. Vor gut einem Jahr haben die meisten, die das Motorrad gesehen haben, es für absoluten Schrott gehalten.

Ich werde jetzt erstmal eine kleine kreative Pause einlegen, da das Doppelport Treffen bevor steht und ich noch zwei kleinere Baustellen an meiner TS 250/1 und dem ETZ Gespann habe.

Die Wiederbelebung der DKW ist auf jeden Fall erfolgreich verlaufen und ich konnte den authentischen Charakter der Maschine erhalten.

Video der ersten Proberunde: DKW SB 200 erste Fahrt

 

Juni 2013

Ich widme mich der linken Tankseite. Das fehlende Kniekissen und einen passenden Halter dafür habe ich beim ebay bekommen. Normalerweise sind am Tank 2 Laschen angeschweisst, an denen der Halter für das Kniekissen angeschraubt wird. Diese Laschen fehlen.
Am Tank möchte ich nicht Schweissen lassen. Daher klebe ich Bolzen mit 2-Komponenten-Kleber an. Da der Tank sich nur schwer demontieren lässt baue ich die Batterie aus und lege die DKW auf die Seite bis der Kleister fest ist.

Der Halter läßt sich anschrauben und das Kniekissen montieren. Leider hält es nur 2 Tage bis ich beim Aufbocken mit dem Knie gegen das Kissen drücke. Der Kleber hat gehalten, der Untergrund jedoch nicht. Reste der Verchromung auf denen der Kleber pappte haben sich gelöst.

Ich habe die Aktion wiederholt und zuvor die Klebestellen am Tank bis auf das Metall geschliffen. Nun sollte es halten.

Für die linke Tankseite und das Heckschutzblech habe ich 2 Aufkleber mit bestellt. Am Schutzblech läßt sich ein Aufkleber anbringen. Es gefällt mir allerdings nicht so richtig. Am Tank hält das Ding nicht und ich klebe den Aufkleber stattdessen an meine Werkzeugwand.

Ein Kumpel sagt mir auch direkt, dass das schlecht ausschaut und ich doch lieber richtige Wasserabziehbilder bestellen soll. Die gibt es bei www.abziehbilderservice.de. Gesagt getan. Das Anbringen der Abziehbilder ist nicht ganz einfach aber machbar. Das Ergebnis ist wirklich toll und mit den Aufklebern absolut nicht zu vergleichen. Am Tank hält es auch. Ich weiss nicht, warum es überhaupt Aufkleber zu kaufen gibt. Braucht kein Mensch, jedenfalls nicht fürs Motorrad.

Da ich inzwischen einige mehr oder weniger komplette Werkzeugfächer besorgt habe, baue ich eines an die DKW.

Sowohl die Abziehbilder als auch das Werkzeugfach sind gewissermaßen eine Interpretation meinerseite, da sie auf den alten Fotos nicht dokumentiert sind. Ich denke, dass diese Teile der DKW gut stehen. Da es sich nicht um ein nahezu vollständig erhaltenes Fahrzeug handelt, sind in meinen Augen solche Interpretationen durchaus zulässig.

29.6.2013

Ich nehme mir nochmal die vordere Bremse vor, da die Bremswirkung sehr mager ist. Den symmetrischen Nocken feile ich an den Nutzecken ein wenig in Form. Die Bremsbacken werden an den Einlaufstellen ebenfalls mit der Feile abgenommen. Entfetten, zusammenbauen und Testfahrt. Die Bremsleistung ist deutlich besser. Wenn nun noch ein neuer und gut passender Bowdenzug dran kommt, wird es sicher ausreichend sein.

16. und 17.7.2013

An zwei ruhigen Abenden nehme ich mir die Bowdenzugbausätze zur Hand und fertige 3 Bowdenzüge für Bremse, Kupplung und Gas an. Ich mache das zum ersten Mal aber mit der Anleitung klappt es gut.

Entscheidend ist, dass das Seilende aufgedröselt wird und sich beim Verlöten dadruch ein Propfen bildet, der nicht mehr durch den schmaleren Teil des Nippels gezogen werden kann.

Jetzt fehlt noch der Gepäckträger, an dem Schweissarbeiten erforderlich sind. Kettenschutz und Bremslichtschalter können erst ran, wenn der Gepäckträger montiert ist.
Es ist also nicht mehr weit bis zur Fertigstellung.

Anfang August 2013

Aus dem umgebauten Gepäckträger und einem intakten Oberteil aus einem Teilepaket schweisst mein Metallexperte im Ort einen schönen kompletten Gepäckträger zusammen. Das Teil bekommt noch etwas Farbe und wird angebaut.

Kettenschutz und Bremslichtschalter werden ebenfalls montiert. Bilder folgen ...

Mitte August 2013

Ich widme mich nochmal der Auspuffanlage, da diese sehr laut ist. Nach der Demontage steht die Ursache fest: Spezialisten haben die Metallscheiben, die zur Schalldämpfung dienen umgebogen.
Entgegen anfänglicher Bedenken läßt sich das mit einer Zange einfach reparieren. Nichts bricht ab.

Problem gelöst - schöner alter Zweitaktklang stellt sich ein ...