MZ ES 125/1

Schöne 125/1 von 1969

Oktober 2014

Bei einem kleinen Trödelmarkt in unserem Ort anläßlich des Erntedankfestes der Gläsernen Molkerei bin ich zu dieser schönen ES 125/1 gekommen.
Die Maschine stammt aus dem Ort und nachdem ich mit der Verkäuferin einig war und noch auf das Suchen der Papiere gewartet habe, stand die ES eine Woche später plötzlich bei Regen draußen. Da bestand natürlich Handlungsbedarf.

Im Moment fehlen an der Maschine noch ein paar Teile, die aber hoffentlich noch geborgen werden können.

Ansonsten habe ich erstmal den weiteren Verfall gestoppt und schonmal geschaut was sich rausholen läßt.
Im Ergebnis eine gute und lohnende Basis, die bis auf die fehlenden Teile absolut original ist. Es sind die kleinen Details die es ausmachen:

  • Originaler Tankdeckel mit den Trophy Siegen bis 1967
  • Lack und Chrom original
  • Glatte ESKA 8G Schrauben, die M8 Bolzen mit 14er Kopf
  • Originaler Kabelbaum - weitestgehend unbeschädigt und mit originalen Gummitüllen und Metall-Kabelbindern
  • Originaler Tacho
  • Originaler Motor

Nach Entgammeln und Aufpolieren der Chromteile bin ich realtiv schnell zu dem Schluß gekommen, dort nichts zu tauschen. Ich hätte schönere Chromhülsen, eine Lenkermutter im Top-Zustand und auch eine bessere Rücklichtkappe da.
Ich bin allerdings in meiner Einstellung inzwischen gefestigt und werde diese original zur Maschine gehörenden Teile belassen wie sie sind.
Austausch also nur falls absolut nötig oder wenn die Teile wirklich fehlen.

Ich hoffe auch, dass zu dem Motorrad noch der KFZ-Brief auftaucht und ggf. noch ein paar Sachen zur Historie.

Wie bei meiner ES 175 kann man hier noch echte Lohrbeeren ernten und aus einer auf den ersten Blick abschreckenden Basis wieder eine schöne originale Maschine zaubern.

 

 

Mai 2015

Der Startschuss fällt. Zuerst schaue ich mir die Sitzbank an. Sie sieht etwas deformiert aus. Bei dieser 1969er Ausführung muss zunächst ein großes Schaumstoffpolster aus dem Gestell gefummelt werden. Dann sind die Federn zu sehen und diese liegen alle kreuz und quer herum. Es ist mindestens jeweils ein Federende ausgehangen. Ich versuche kurz, eine Feder von innnen wieder an Ort und Stelle zu bringen aber ohne Erfolg.

Es bring nichts: Der Bezug muss runter. Ich öffne vorsichtig die Klammern rundherum und nehme den Bezug ab.

Nachdem der Bezug runter ist kann man an dem Gestell vernünftig arbeiten. Die Federn laufen bei dieser Ausaführung einmal komplett von hinten bis nach vorn. Bei allen ist ein Stück abgrissen. Daher war alles lose. Ich habe die Federn ausgebaut, in den Schraubstock gespannt und das abgebrochene Ende mit einer Zange wieder zu einer Öse geformt. Im Anschluß kamen die Federn wieder an Ort und Stelle.

Das Gestell erhielt natürlich gleich eine Reinigung und Konservierung. So gut wie jetzt kommt man nie wieder ran. Als nächstes wurde der Bezug gefettet und musste wieder montiert werden.
Die Montage gestaltete sich etwas schwierig. Zwischenzeitlich habe ich schon nicht mehr an einen Erfolg geglaubt. Entscheidend ist, dass man die beiden großen Schraubenfedern in der Mitte herausnimmt. Damit verliert die Bank an Spannung. Die Federn kann man von unten wieder einsetzen wenn der Bezug drauf ist.
Nach und nach konnte ich eine Klammer nach der anderen wieder einsetzen und irgendwann war der Bezug wieder drauf und die Bank wieder in Form.

Pfingsten 2015

Am Pfingstmontag zerlege ich die ES weitestgehend. Heckteil, Motor, Tank, Lenker und Schweinwerfer sind abgebaut.

Ich mache mit Politur einen Versuch am vorderen Kotflügel. Der Lack erhält wieder einen Superglanz allerdings gelingt es leider nicht, die kleinen Lackspuren in Goldfarbe herunter zu polieren. In der Vergangenheit muss neben der ES mal mit Farbspray gearbeitet worden sein. Auf der ganzen Maschine befinden sich Spuren davon. Was solls - dann bleibt es eben.

Ich nehme mir die hintere Bremse vor. Alles wird zerlegt und gereinigt. Die Backen sehen neuwertig aus. Am Kontakt befindet sich noch der originale Stecker mir der Federspange. Allerdings wurde das Kabel leider abgerissen und dabei sogar der 6er Bolzen verbogen. Das Teil wird wieder gerade gemacht und die Federspange im Stecker richtig montiert. Später werde ich das Kabel wieder am Stecker befestigen. In der 1969er Ausführung war es offenbar mit einer Art Rundkabelschuh mit dem Stecker vernietet. Bis zur Einführung der Flacksteckanschlüsse war das meines Wissens verschraubt.

Am Regler war auch schonmal jemand dran. Die Kappe fehlt und das Widerlager für die Feder des Rückstromschalters ist abgebrochen. Da muss dann ein anderer ran.

20. Juni 2015

Es geht voran. Rahmen, vorderes Schutzblech und der Lenker waren beim Schlosser und sind repariert. An einigen Stellen habe ich mit schwarzer Farbe ausgebessert.

Ich habe mit dem Zusammenbau des Fahrgestells begonnen. Rahmen, Ständer, Schwingenträger und die vordere Schwinge sind bereits wieder zusammen.

Was ansonsten noch verbogen war habe ich größtenteils wieder gerade bekommen.

Auf der Innenseite des Schwingenträgers gammelte es wie zu erwarten war. Dieser Elektron Guss ist da irgendwie anfällig. Ich habe den Gammel abgekratzt und alles schön konserviert. Das sollte reichen.

 

Sommer 2015

In den Sommermonaten ist wenig passiert. Die Federbeine habe ich aufpoliert und mit Abbeizer das nachträglich aufgebrachte Schwarz entfernt. Die Dämpfung funktionierte bei allen Dämpfern noch einwandfrei.
Hinten links stellte ich im zerlegten Zustand fest, dass die Dämpferstange schwergängig war und bei halber Einfederung feststeckte. Der Grund war schnell gefunden: Ein Grobmotoriker hat die Stange minimal verbogen - beim Drehen konnte man es erkennen.
Zu meiner Überraschung ließ sich die Stange mit etwas Gefühl wieder exakt gerade biegen so dass der Dämpfer wieder ohne Widerstand funktioniert.