Reparatur/ Nachbau farbiger Kabelbinder

Das Salz in der Suppe

In den 50er und Anfang der 60er Jahre wurden an den MZ-Motorrädern in Fahrzeugfarbe lackierte bzw. getauchte Metallkabelbinder verbaut.

Sie sind wie das Salz in der Suppe aber leider nur in den seltensten Fällen noch vollständig erhalten. Oftmals sind gar keine mehr vorhanden.

Ich habe inzwischen an 2 Fahrzeugen solche Kabelbinder nachgemacht bzw. repariert. Die Ergebnisse sind wie so oft sicher noch verbesserungsfähig aber schonmal ganz gut gelungen wie ich finde.

Reparatur von Fragmenten

Im Februar 2015 habe ich anläßlich einer Pflegekur für mein 56er ES-Gespann die Kisten mit den alten abgebauten Teilen durchkramt. Dabei bin ich auf einen defekten Metallkabelbinder in grün gestossen, den ich vor gut 4 Jahren noch am Motorrad vorgefunden habe. Ich habe diesen Kabelbinder damals aufgehoben trotzdem die Befestigungsöse gerissen und die Lasche abgebrochen war. Der Kabelbinder hing noch auf den "letzten Pfiff" an der hinteren Schwinge wo er über 50 Jahre lang das Massekabel für das Bremslicht gehalten hat.

Ich habe das Teil jetzt repariert und wieder an ursprünglicher Stelle montiert. Dazu habe ich einen meiner neuen verzinkten Metallkabelbinder verwendet. Dieser lieferte eine Verlängerung für die abgerissene Lasche und eine Verstärkung für die defekte Öse.

Ein Lötversuch scheiterte. Ich habe dann zum bewährten UHU Endfest 300 2-Komponentenkleber gegriffen. Mittels Herdplatte wird die Aushärtung beschleunigt. Die Klebeaktion war nicht ganz einfach. Dafür muss man sich Zeit nehmen und wenn die Sache erstmal hält noch etwas Kleber in die Spalte zwischen den Klebeteilen fließen lassen.

Nachkololierung in grün

Nach der Montage entscheide ich mich, einfach mal aus den Farbresten im Keller einen Mischversuch zu starten. Girftgrün und braun wird nichts aber giftgrün und Hammerschlag blau aus der Dose ergeben einen passenden Farbton. So genau kommt es bei den Kabelbindern nicht darauf an.

Zuerst tupfe ich mit dem Pinsel die angeklebte Lasche und die reparierte Öse am reparierten Kabelbinder nach (siehe Bild rechts, rot markiert). Man erkennt es an der Lasche, da die Farbe dort noch so frisch ausschaut. Etwas Elaskon wird dort für Patina sorgen.

Ich habe dann gleich mit dem Pinsel weitergemacht und den zweiten Kabelbinder an der Schwinge und die beiden an der Tachowelle (komplett neue verzinkte) nachkoloriert. Es ist gut gelungen auch wenn der Blauton in der Farbe immer weniger wurde. Ggf. werde ich bei hellem Tageslicht an der Tachowelle nochmal nacharbeiten.

Wenn man vorsichtig ist, kann man mit einem feinen Pinsel direkt an den montierten Kabelbinder arbeiten. Damit erspart man sich die Probleme mit abblätternder Farbe beim montieren.

 

Nachkolorieren in schwarz

Mit schwarz ist die Sache einfacher, da man bei der Farbe nicht viel verkehrt machen kann.

Meine ersten Versuche hatte ich 2014 an meiner schwarzen ES 175 gemacht. Dort war nur noch ein originaler Kabelbinder an der Tachowelle vorhanden.

Besonders der Kabelbinder am Abblendschalter bringt in Verbindung mit originalen Lenkerarmaturen und schönen originalen Griffgummis ein Super-Gesamtbild. Ein Bild des Lenkers der 175er kommt noch.

 

Fazit

Hier kann man echte Restaurierungsarbeit leisten. Ich würde die Kabelbinder in drei Kategorien einteilen:

  1. Originalteile, die noch fest an Ihrem Platz sind: Das ist natürlich das Optimum und man sollte alles mögliche tun, um diese nicht zu beschädigen. Am besten nicht öffnen und nur konservieren. Falls geöffnet werden muss (z.B. Kabel wechseln), dann nur einmal öffnen und erst wenn alles klar ist wieder anbauen. Schön vorsichtig sein und dann bestehen Chancen dass sie heile bleiben.
  2. Beschädigte Originalteile. Das ist der zweitbeste Fall, denn man kann auś jedem Fragment noch etwas zaubern. Wie das geht steht oben in diesem Beitrag. Bitte auf keinen Fall kaputte farbige Kabelbinder wegwerfen! Ich nehme sie mit Kusshand.
    Ein reparierter Original-Kabelbinder sieht je nach Basis am Ende aus wie ein unbeschädigter.
  3. Kompletter Ersatz. Verzinkte Metallkabelbinder gibt es neu zu kaufen. Diese kann man passend biegen und nachkolorieren. Die Farbe hält allerdings nur mäßig. Anschleifen hilft aber es ist dennoch nicht ganz einfach.
    Man muss Acht geben, dass die Farbe bei der Montage nicht abgeht. Am Besten vor der Kolorierung passend biegen oder gleich im montierten Zustand mit dem Pinsel arbeiten.
    So ein nachgemachter Kabelbinder wird natürlich nicht die Ausstrahlung eines Originals erreichen - das ist aber auch gut so.

 Viel Erfolg!