MZ TS 150 von 1973

Nummer 33 von gut 320.000

19.1.2016

 

In den Ebay Kleinanzeigen taucht eine TS 150 aus dem ersten Baujahr 1973 auf. Das Vorschaubild sieht gut aus und ich schaue einfach mal rein.
Die Scheune ist voll, die TS 150 ist ein absolutes Massenmodell und ich denke nicht ansatzweise darüber nach, für dieses Motorrad gute 1.000 Euro auszugeben - ich möchte nur mal gucken ;)

Die Maschine ist in wirklich gutem Originalzustand. Der DDR KFZ-Brief ist dabei und auch der Kaufvertrag. Da ich mich für Unterlagen interessiere schaue ich mir diese Bilder genauer an. Auf dem Kaufvertrag steht die Fahrgestellnummer mit vielen Nullen und den Ziffern "33" am Ende.
Ich weiss was das bedeutet: es handelt sich hier um die 33. produzierte TS 150. Die Nummer beginnt mit "78". Da ich mich mit den Nummern der TS nicht auskenne recherchiere ich das nochmal kurz. Die Nummerierung der 150er TS-Reihe beginnt tatsächlich bei 7800001. Damit ist die Sache klar.

Nun geht alles sehr schnell. Ich trete mit dem Verkäufer in Kontakt und wir sind uns schnell einig. Die TS muss aus Berlin abgeholt werden und ein MZ-Freund hilft mir dabei. Danke nochmal an Denni.

Bei der Abholung schaue ich nochmal genau nach den Nummern. Die FIN in den Unterlagen, am Rahmen und am Typenschild stimmen überein. Jedoch ist der Motor ohne Nummer und hat den Anguss für den Drehzahlmesseranschluß. Das Motorgehäuse ist also nicht mehr original. Bei den Unterlagen ist auch ein Gutachten von 1978 zu einem Motortausch dabei.
Das ist zwar Schade aber ich kaufe die TS aufgrund der absolut ausergewöhnlichen Fahrgestellnummer und des sehr schönen Gesamtzustands dennoch.

Nach dem Ausladen erfolgt eine Bestandsaufnahme:

  • Das Werkzeugfach ist verschlossen und der Schlüssel fehlt. Denni kramt in seiner Schlüsselkiste und findet tatsächlich einen passenden. Im Fach ist das Bordwerkzeug und es ist fast komplett.
  • Originale Luftpumpe ist dabei
  • Rücklichtkappe ist leider kaputt
  • Am Lenker links wurde ein anderer Griffgummi montiert. Der Spiegel ist auch nicht mehr der passende und der beige Abschlußpilz aus Kunststoff fehlt. Das werde ich wohl zurückbauen. Auf der Gasseite passt alles.
  • Die Blinker geben zunächst Rätsel auf: Vorn ist die Variant montiert, die durch die Gläser verschraubt wird. Hinten die von den späteren MZ bekannte Sort die von der Gehäuseseite geschraubt wird. Nach kurzer Recherche ist klar, dass die hinteren Blinker schonmal erneuert wurden.

 

 

 

20.1.2016 

Ich recherchiere bzgl. der produzierten Gesamtstückzahl der TS 150. Eine glaubhafte Onlinequelle listet 10.228 für das Jahr 1973 und bis 1985 insgesamt 326.052 Stück.

Quelle: http://pic.mz-forum.com/harald/HomePage/Produktion.htm

Die Gesamtzahl widerspricht jedoch dem in verschiedenen Quellen genannten FIN-Bereich von 7800000 bis 8000000. Dieser Bereich hat nur Platz für 200.000 Nummern.

Quelle: http://www.ostmotorrad.de/mz/rahmen_ueb.html

Eine weitere Auswertung von aktuell zum Verklauf stehenden TS 150 brachte schnell die Erkenntnis, dass FIN 8000000 bereits im Jahr 1980 überschritten wurde. Die in der Quelle genannte Obergrenze ist also falsch.

Es existiert z.B. eine TS 150 von 1985 mit Unterlagen und der FIN 8115086. Das wäre dann die 315086. produzierte Maschine. Dies Gesamtstückzahl von gut 326.000 ist somit plausibel.

Bei den in den 70er Jahren produzierten Stückzahlen ist davon auszugehen, dass Nummer 33 vom ersten Produktionstag der Serie stammt. Diese wäre laut KFZ-Brief der 5. Juni 1973.

 

 

 

21.1.2016

Trotz eisiger Temperaturen gehe ich abends noch in dei Werkstatt und montiere für den Transport abgebauten Teile.

Ich mache gleich noch ein paar Schönheits- und Konservierungsarbeiten:

  • Das vordere Schutzblech hatten wir demontiert. Ich habe es von innen gleich konserviert und wieder montiert.
  • Den angefummmelten Bremsbowdenzug habe ich gegen einen farblich passenden getauscht.
  • Den linken Lenkergriff habe ich gegen einen passenden getauscht
  • Die Elektrik unter dem Batteriedeckel habe ich mit Spray eingejaucht und leichten Gammel konserviert. Nach Wiedereinbau der alten Batterie habe ich den Seitendeckel wieder angebaut.

 

 

22.1.2016

Ich mache morgends schnell ein paar Fotos.

 

 

 

23.1.2016

Ich schaue ein paar KFT-Ausgaben von 1972 bis 1973 durch. Dabei fallen mir einige Dinge auf.

 

KFT 9/1972: In dieser Ausgabe wird auf das zur Leipziger Herbstmesse 1972 vorgestellte Typenprogramm für 1973 eingegangen. Alle gezeigten Maschinen sind Vorserienmodelle.

Auf Seite 265 ist auf dem Bild unten links einwandfrei die glatte verchromte Steuerkopfmutter zu erkennen, die auch an TS 150 Nummer 33 montiert ist. Ich habe zunächst gedacht, dass diese als DDR-Tuning nachträglich angebracht wurde.
Ich konnte bisher noch nicht in Erfahrung bringen wie lange es diese Steuerkopfmutter gab.

Auf dem oberen Bild ist ausserdem die Auspuffvariante (Endstück) zu erkennen, die bei der TS 250 in der Serie erst ab 1974 zum Einsatz kam. Offenbar war dieser Auspuff von Anfang an konzipiert, war aber in der Serienfertigung nicht sofort verfügbar.

 

KFT 4/1973: Auch hier findet sich auf Seite 106 die verchromte Steuerkopfmutter. Auf Seite 101 ist im Hintergrund eine kleine TS mit dem ETS-Rücklicht und geschlossenen hinteren Stoßdämpfern zu erkennen.
Auf Seite 103 erkennt man vordere Blinker mit einem umlaufenden Rand. Diese gab es meines Wissens so nie in Serie.

 

KFT 7/1973: In diesem Heft wird über den Serienstart der TS 125/150 im Juni 1973 berichtet. Genau war es der 5. Juni 1973 wie der KFZ-Brief von Nummer 33 nahelegt.
Besonders interessant ist die Rückseite (blau). Die dort gezeigte kleine TS hat keine Blinker, das ETS-Rücklicht und auch die Luftpumpe ist wie bei der ETS angebracht. Vermutlich handelt es sich um eine der (vermutlich 4) Vorserienmaschinen aus 1972 (in der Stückzahlquelle werden für 1972 je 2 TS 125/150 genannt).
Sowohl das vordere Schutzblech als auch die Lampenhalter sehen nachgezeichnet aus. Ggf. waren hier ETS-Teile verbaut und es wurde retuschiert.
Die anderen Seiten zeigen Maschinen der Serie mit Blinkanlage und Luftpumpe unter der Sitzbank.