Hufraspel von 1941

Seit über 70 Jahren gefertigt

Anfang Mai 2016 wird es endlich frühsommerlich. Der Opa lädt alle zu einem Eis in Neu Lübbenau ein. Ich fahre mit dem Fahrrad dorthin.

Auf dem Rückweg folgt der obligatorische Blick in den Schrottcontainer in Neuendorf am See. Heute liegt eine Nummernschildhalterung aus der DDR drin. Vermutlich für PKW und in gutem Zustand. Zum Verschrotten ist das zu schade also wird es herausgeangelt.

Als nächtes entdecke ich eine Metallkiste. Ich öffne diese und darin befinden sich diverse Feilen und Raspeln. Die scharfen könnte man im Grunde alle mitnehmen aber das wird mit dem Rad jetzt schwirig. Ich wühle also ein wenig.

Zwei der Raspeln sind besonders - sie sind ohne Griff, also bestehen original nur aus dem Blatt. Dieses ist geteilt, so dass Vorder- und Rückseite vier Viertel ergeben. Die größere der beiden trägt die Aufschrift "Reichsheer 1941".
Beide raspeln wurden von F.Dick hergestellt und stammen aus der Produktreihe "Prima". Die große Raspel ist 12 Zoll, die kleine 9 Zoll.

Solche uralten Sachen kommen natürlich mit, d.h. ich muss ab Neuendorf mehr oder weniger einhändig fahren. Was solls ...

Zu Hause recherchiere ich zu diesen Raspeln. Eine identische 14 Zoll Variante wird online zwischen 35 und 70 Euro gehandelt. Offenbar handelt es sich um Hufraspeln. Über die kleine Raspel finde ich zunächst nichts.

Schließlich entdecke ich die Website des Herstellers. Die Firma Fr. Dick gibt es noch und sie stellt heute unter anderem noch immer hochwertiges Werkzeug her. Ich klicke mich ein wenig durch das Produktangebot und lande schließlich bei den Hufraspeln:

www.dick.de/de/spezialwerkzeuge/produkte/hufraspeln

In der Mitte der Seite sind die heutigen Raspeln ohne Griff gelistet. Diese entsprechen im Grunde noch exakt der Ausführung aus den 40er Jahren. Lediglich die Firmenbezeichnung wurde minimal umgestaltet und natürlich fehlt heute die Aufschrift "Reichsheer".
Dieses Werkzeug ist also seit über 70 Jahren bewährt und wird unverändert produziert.

Die Hufraspeln dienen zur Bearbeitung von Tierhufen und die Armee hatte früher solches Werkzeug für ihre eigenen Pferde.
Die Raspeln scheinen wenig gebraucht und sind noch richtig gut scharf. Qualitiativ ist dieses Werkzeug den Billigangeboten aus der Baumarkt-Grabbelkiste um Welten überlegen.

Warum jemand so etwas in den Schrott wirft kann ich mir nicht erklären.