Seegeringe und Sprengringe

Meine Erfahrungen mit Sicherungsringen

Ich war gerade die ersten 500 km auf meiner TS 250-1 gefahren. Nach einer 40km-Rundfahrt durch unsere schöne Region bremste mich auf dem Rückweg einen Kilometer vor dem Ortsschild von Münchehofe ein Auto aus. Nachdem der Autofahrer wieder Gas gegeben hatte beschleunigte auch ich und zog die Maschine im 4. Gang auf Tempo 110. Plötzlich ein lautes Krachen aus dem Motor. Ich habe sofort ausgekuppelt und angehalten. Das Geräusch war verschwunden, obwohl der Motor noch lief. Wenn ich wieder losrollte klapperte es sofort, ebenso im Leerlauf. Zum Glück war ich fast daheim!

Zu Hause untersuchte ich es nochmal genauer und vermutete das Problem am Primärtrieb. Nach Abnehmen des Kupplungsdeckels bestätigte sich dieser Verdacht. Im Deckel lag ein ca. 10cm langes zerknittertes Drahtstück sowie einige Metalltrümmer. An dem grossen 68-zähnigen Zahnrad waren einige Zähne abgebrochen. Ich rätselte lange, woher dieser komische Draht stammte. Kickstarterfeder? War noch intakt. Eine Kupplungsfeder? Die waren auch noch alle an ihrem Platz. Irgendwann sah ich, dass der Wellendichtring hinter der Kupplung schief sass. Aha - da war also der Sicherungsring rausgerutscht und wurde durch den Primärtrieb gedrückt.

Gerade bei hohen Drehzahlen entsteht bei der Vorverdichtung im Kurbelgehäuse hoher Druck und dieser wirkt auf die Wedis und muss von den Sicherungsringen gehalten werden. Das Versagen lag entweder an der unsachgemässen Montage des Sicherungsringes oder einfach nur daran, dass ich keinen richtigen Seegering sondern einen einfachen Drahtring verbaut hatte.

Ich hatte Glück, dass ich nur das Primärrad (und natürlich den Sicherungsring) tauschen musste. Nun habe ich natürlich einen Seegering eingesetzt und diesen mit einem Schraubenzieher und leichten Hammerschlägen rundherum in die Nuht gebracht. Manchmal rutscht der Ring noch einen Millimeter nach, wenn man ein bisschen pocht. Auf der LIMA-Seite habe ich auch gleich nachgesehen und den Drahtring ebenfalls ersetzt. Dieser sass noch an seinem Platz und liess sich sehr schwer entfernen, weil ja keine Löcher zum Ansetzen einer Spezialzange vorhanden sind.

Eigentlich soll man die alten Sicherungsringe wegschmeissen und neue einbauen - nur wer hat die schon? Was man aber auf keinen Fall verbauen sollte, sind diese einfachen Drahtringe. Leider kommen diese in einigen MZ-Motoren vor. Ob die vom Werk eingebaut wurden oder nachträglich von Schraubern verwendet wurden weiss ich nicht.

Zur fachgerechten Montage und Demontage der Seegeringe habe ich mir zwei Zangensets (Gr. 1 und Gr. 2) aus dem Fachhandel besorgt. Die kosten pro Satz ca. 20 EURO und bestehen aus je 4 Zangen. Diese Investition erspart viel Gefummel mit den Ringen. Ausserdem wird das Material geschont.