Traditionalismus Tour 2007

350 km durch Fläming und Havelland

Eigentlich wollte ich das verlängerte Wochenende zum 1. Mai 2007 nutzen, um ein paar Tage mit der MZ das Erzgebirge und die MZ-Stadt Zschopau zu besuchen. Da ich aber auch etwas Zeit mit meiner Frau verbringen wollte, habe ich die Idee begraben und mich stattdessen für eine Tagestour am freien Montag entschieden.

Warum "Traditionalismus" ?

Angeregt durch eine "Traditionalismus"-Debatte in der MZ-Mailingliste habe ich ganz bewusst auf 19 PS, Fünfgang-Geriebe, Drehzahlmesser, Telegabel usw. verzichtet und die Tour mit meiner ES gemacht, die weitestgehend im Originalzustand von 1959 ist.
In der Debatte ging es um 6 Volt kontra 12 Volt, elektronische Zündung kontra Unterbrecher,  Bing-Vergaser und anderes, was man an der MZ verbessern kann. Ich versuche so original wie möglich zu fahren und es geht auch, wie diese Tour mal wieder beweisst.

Route und Tour-Start

Die Route habe ich durch den Fläming, vorbei an den Beelitzer Spargelfeldern ins Havelland geplant. Ziel ist Milow, wo ich spontan Dirk Singer besuchen will. Er besitzt neben anderen MZs auch eine ES 250 und ich kannte ihn bisher nur "online". Distanz hin und zurück 350 km - erwartungsgemäß eine ordentliche Tagestour mit der alten ES.
Pflichtbewusst habe ich vor dem Start nochmal das Bordwerkzeug gecheckt und den Unterbrecher-Filz nachgeölt.
Gegen 11:00 Uhr gehts los. Das wurde nach dem Winter wieder aller höchste Zeit für eine Tour. Nach 20km gibt es erstmal einen Tankstopp in Teupitz.

Durch den Fläming

Zwischen Egsdorf und Zesch passiere ich die Grenze zwischen LDS und TF. Ich habe absichtlich die Route über Zesch am See gewählt, da man dort auf wahrhaft traditionellen Strassen unterwegs ist. Zuerst eine total zerlöcherte Teerstrasse auf der man mit Schrittgeschwindigkeit fahrende Auto-Ausflügler überholen kann. Bei den meisten kann man das blanke Entsetzen im Gesicht erkennen. Der Zubringer zur B96 ist dann eine Pflasterstrasse an der wahrscheinlich seit Kriegsende nichts mehr gemacht wurde. Für die Traditionalismus-Tour also genau das Richtige.
In Zesch am See gibt es auch ein nettes Eis-Cafe aber dafür ist es noch zu früh.

Weiter geht es über Sperenberg und Kummersdorf in Richtung Trebbin. Hinter Kummersdorf lege ich die erste Teepause an blühenden Rapsfeldern ein. Eine Sitzgelegenheit bietet sich direkt am Feldgraben und es sind sogar kleine Fische zu sehen.
Ab Trebbin geht es auf der B246 Richtung Beelitz.












Rund um Beelitz

Da gerade Saison ist, fährt man an vielen Spargel-Feldern vorbei. In Beelitz geht es Richtung Beelitz-Heilstätten, weil ich unbedingt die Havel-Fähre in Ketzin benutzen will. Bei Klaistow habe ich wieder eine Teepause gemacht und die Spargel-Felder fotografiert. Der Spargelhof in Klaistow zieht offenbar die Massen an - Leute über Leute.
In Klaistow fahre ich Richtung Werder. In Werder soll es ein sehr schönes Motorrad-Museum mit alten Sport-Maschinen geben. Leider hat es geschlossen und ich kann nur ein wenig durch die Scheiben spionieren. Ich kann einige Strassen- und Geländesport Maschinen erkennen - da muss ich wohl nochmal hin.
Von  Werder geht es weiter nach Phöben. Dort fährt man bereits an der Havel entlang. Leider kann man von dem ausgewiesenen Aussichtpunkt auf dem Wachtelberg nicht viel sehen, weil die Bäume zu hoch sind. Der grosse Turm auf der Bergspitze ist leider nicht zugänglich - schade, das wäre sicherlich ein toller Ausblick über das Havelland.

Fähre und Mittag in Ketzin

Hinter Phöben überquert man die Havel per Fähre. Die Fähre zieht sich an einer im Wasser liegenden Kette von einer Seite zur anderen. Es ist ein kleines Boot, auf das vielleicht zwei PKW und ein paar Fahrräder und Motorräder passen. Wie schön, dass hier noch kein Modernisierer eine Brücke gebaut hat!
Auf der Fähre parkt neben mir eine Harley und der Fahrer hat sofort die MZ erkannt. Er erzählt mir, dass seine Harley nun auch schon 12 Jahre alt ist und 50.000km runter hat - also auch robuste Technik.
Auf der anderen Seite angekommen habe ich im Restaurant "An der Fähre" zu Mittag gegessen. Durchaus empfehlenswert aber leider keine Kartenzahlung möglich.








Weiter nach Milow

Nach dem Essen geht es von Ketzin entlang der Havelwiesen und durch Laubwälder nach Brandenburg an der Havel. Vorbei an der Dominsel sind es dann nochmal 30km nach Milow.
In Milow angekommen habe ich relativ schnell die gesuchte Adresse eingekreist. Nachdem ein Anwohner mit dem Namen nichts anzufangen weiss, rufe ich Dirk an. Er ist in seinem Garten im gleichen Ort und beschreibt mir kurz den Weg.
Wir plauschen ein wenig und trinken zwei Tassen Kaffee. Er überholt gerade einen ES-300 Motor. Gegen 17:00 Uhr mache ich mich wieder auf den Heimweg.













Der Rückweg

Zwischen  Brandenburg/ Havel und Ketzin lege ich eine Teepause an einem Rapsfeld ein. In Ketzin tanke ich die ES wieder auf und setze anschliessend mit der Fähre über. Es ist 18:30 Uhr, die Sonne steht tief und spiegelt sich herrlich im Havelwasser. Es fällt schwer diesen schönen Ort zu verlassen, aber für einen Cappucino an der Fähre fehlt mir leider das Bargeld.

In Werder ist jetzt die Innenstadt wegen des Baumblütenfestes gesperrt - die Polizei leitet um. Deshalb durchfährt man auf abgelegenen Strassen die Obst-Plantagen rund um Werder und Glindow. Sieht beinahe mediteran aus.

Zwischen Beelitz und Trebbin mache ich die letzte Teepause dann geht es non-stopp die letzten 70 km nach Münchehofe.
In Sperenberg fängt die Gashand langsam an zu kribbeln - erste Ausfallerscheinungen. Zu Hause angekommen fällt es schwer zu glauben, dass man nur knappe 10 Stunden unterwegs war.

Viel Landschaft und jede Menge Gegend - schönes Brandenburg!

Alles in allem eine schöne Tagestour - insgesamt gute 350 km. Technische Probleme: keine bis auf eine durchgebrannte Leerlaufkontrolle, die ich gleich am nächsten Tag gewechselt  habe.