Alte Klamotten

Meine zeittypische Motorradbekleidung

Zu einem alten Motorrad gehört natürlich auch eine zeittypische Bekleidung bestehend aus einem klassichen Helm und einer alten Jacke bzw. einem alten Mantel.
Diese Sachen trage ich nur manchmal, da ich für den Alltag eine preisgünstige Hose und Jacke von Louis habe. Wenn man bei gutem Wetter unterwegs ist, um z.B. zu einem Treffen zu fahren ist eine stilechte Bekleidung natürlich was schönes.

Der passende Ledermantel

Einen alten Ledermantel habe ich bei ebay ersteigert. Natürlich ist es immer ein gewisses Risiko, weil man vorher nie weiss, ob die Sachen auch wirklich passen. In diesem Fall hatte ich Glück. Lediglich einige Knöpfe fehlten aber die sind inzwischen angenäht.
Der Mantel ist dunkelgrün aber fast schwarz. Es handelt sich um ein Erzeugnis von VEB Freiberger Lederbekleidung. Scheinbar wurde er noch nicht oft getragen weil keine Schäden festezustellen sind.

Der passende Helm

Einen passenden Helm habe ich eigentlich schon viel länger als meine ES. Vor vielen Jahren war ich mal mit einem Bekannten bei einem älteren Herren, weil mein Bekannter von ihm einen Simson Star kaufen wollte. Der Star war damals für uns zu teuer aber ich sah in dem Schuppen eine alte Halbschale mit Lederverschluss hängen. Den Star musste der gute Mann behalten aber den Helm habe ich ihm für 20 Mark abgekauft.
Die Orginal-Farbe war im Prinzip nicht mehr vorhanden. Der Helm muss nachträglich rotbraun gestrichen worden sein. Aber an vielen Stellen schimmerte schon die grüne Oberfläche durch. Zu den damaligen wildesten Bastelzeiten habe ich den Helm erstmal mit Chrom-Spray aus dem Baumarkt behandelt. Zum Glück hatte ich damals doch schon etwas Verstand und habe den erhaltenen Rest des Logos 'PERFEKT STANDARD EXTRA' auf der linken Seite abgeklebt.
Nach der Zulassung der ES 250 im Jahr 2003 bin ich sogar ein Dreiviertel Jahr mit dem Helm gefahren. Dann habe ich mir aber doch einen neuen besorgt, weil das einfach sicherer ist.

Im Sommer 2005 habe ich auf einem Treffen einen top restaurierten alten Helm gesehen und war danach entschlossen meinen Helm auch richtig schön aufzuarbeiten. Selbst der wirklich top aufgearbeitete Helm auf dem Treffen hatte auch einen Schönheitsfehler: Der Besitzer ist AWO-Fahrer und hat AWO-Abziehbilder drauf und kein 'echtes' Perfekt-Logo. Ich machte mich also auf die Suche nach einem Satz neuen Aufklebern, auf denen irgendeins der vielen Perfekt Logos drauf ist - Fehlanzeige! Sowas gibt es nicht zu kaufen. Nun war also Selbermachen angesagt. Vor dem Abschleifen der alten Farbe habe ich deshalb Fotos vom alten Logo gemacht.

Vor der Lackierung mussten noch die Druckknöpfe am Kinnverschluss erneuert werden, weil zwei nicht mehr vorhanden waren und der Rest total rostig war. Glücklicherweise hatten wir noch Ost-Druckknöpfe im Keller. Die alten liessen sich problemlos ausbohren. Die neuen bestehen aus mehreren Teilen und es war zunächst nicht so einfach zu durchschauen, was man wie zusammen bringen muss, damit die Sache nachher auch schliesst. Hat aber im Endeffekt super geklappt.

Farblich habe ich mich für Elfenbein entschieden, weil das eine edle Farbe ist und auch zu den Sitzbezügen der ES 250 passt. Lackiert habe ich den Helm selbst. Schwierig war das Freihalten der Metallnieten, die aussen am Helm zu sehen sind. Die habe ich mit Malerkrepp eingepackt und das überstehende Krepp mit dem Fingernagel unter der Niete versteckt. Das Krepp habe ich möglichst schnell nach der Lackierung entfernt, weil dann Abrisse am Lack noch mit der frischen Farbe zulaufen (wenn man Glück hat). Beim ersten Versuch habe ich einige dicke Läufer erzeugt. Ich habs eine Woche später nochmal versucht und dann gings super.

Schwierig wurde es nochmal, als der weisse Plastikrand umgeschlagen und wieder am Helm festgeklebt werden sollte. Zum Kleben habe ich den UHU-Zweikomponentenkleber verwendet, weil das Zeug wirklich gut klebt. Nachdem ich beim ersten Versuch kein Klebresultat aber einen vollgeschmadderten Helm erzielt hatte, habe ich es meine Freundin versuchen lassen. Der Plasterand war sehr zäh und liess sich nur nach und nach mit Wäschklammern bezwingen. Nach vier Durchgängen waren wir einmal rum und der Helm war erstmal fertig.

Nun musste noch das Perfekt-Logo am Rechner rekonstruiert werden. Auch hier scheiterte mein erster Versuch. Ich hatte es zunächst mit meiner bevorzugten Grafik-Anwendung versucht, doch deren Grenzen wurden durch das Logo-Projekt überschritten. Meine Freundin kennt sich etwas mit Photoshop aus und versprach mir es zu versuchen. Sie schaffte es immerhin das rote Mittelstück mit dem Perfekt-Schriftzug aus einer alten Zeitschrift zu scannen und farblich anzupassen. Bei der schwarzen Umrandung des Mittelstücks und dem übrigen Logo konnte sie mir leider nicht helfen. Egal was man versuchte, es sah am Ende immer asymmetrisch und irgendwie 'selbstgemacht' aus. Ich habe mir dann doch nochmal einen Abend Zeit genommen und solange mit Photoshop gebastelt, bis es fertig war.
Im Copyshop habe ich mir das ganze auf Klebefolie drucken lassen und anschliessend zwei Logos ausgeschnitten und aufgeklebt. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen und war die Arbeit in jedem Fall wert.

Vollendet wurde der Helm aber erst, als ich beim Spazierengehen einen völlig vermoderten Helm im Wald fand. Dieser hatt noch ein schwarzes geriffeltes Gummiband als Umrandung. Ich habe das gute Stück mitgenommen und zu Hause den Gummi abgebaut, gereinigt und auf meinen Helm aufgezogen.
Da der Rest des Helmes sowieso schon kaputt war, habe ich damit einen kleinen 'Sicherheitscheck' gemacht. Ich war überrascht, dass das alte Ding doch noch einige kräftige Hammerschläge und sogar einen 2DF-Stein (ca 5kg) aus 1m Höhe stand gehalten hat. Sicherlich kein wirklicher Test auf Herz und Nieren aber Geschichten wie "Ich hab mal gesehen, wie so ein oller Helm nur vom Motorrad runterfallen und in tausend Stücke zersprungen ist" halte ich für ersponnen.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass ich niemandem empfehle mit einem alten Helm im Alltag unterwegs zu sein. Im Falle eines Falles bietet er wesentlich weniger Schutz als ein moderner Helm.