Gasthaus Kaiser

Das ehemalige Münchehofer Gasthaus Kaiser (Zur goldenen Traube) befindet sich in der Neuendorfer Straße 1. Das Gebäude erhielt sein heutiges Aussehen in den 1930er Jahren und es blickt auf eine vielseitige Geschichte und Nutzung zurück. Die Ausstellung auf dem Museumshof zeigt einige Exponate aus der Vergangenheit dieses Hauses. Die hier zusammengestellten Daten stammen aus der Münchehofer Chronik von 2001, meiner eigenen Erinnerung und Zeitzeugen Berichten.

Ansichtskarten um 1920 und 1935

Links: Ansichtskarte um 1920 – rechts oben das Gasthaus von Julius Kaiser

Rechts: Ansichtskarte um 1935 – Gasthaus von Fritz Kaiser nach dem Umbau in den 1930er-Jahren. Die Tanksäulen sind erkennbar. Eine Zeitzeugin berichtete das zu dieser Zeit in Münchehofe nur 3 PKW vorhanden waren: Wirt Kaiser, Schmied Marquardt und Gutsbesitzer Stocksmeyer. Vermutlich sind genau diese Fahrzeuge auf der Karte zu sehen.

Aus der Geschichte:

  • 1765: Ältester urkundlicher Nachweis des Dorfkruges zu Münchehofe. Dieser Krug befand sich wahrscheinlich am Standort des späteren Gasthauses Kaiser. Der Erbpachtkontrakt wurde am 12. Juli 1765 zwischen dem Windmüller Christian Barber und dem königlichen Amt Münchehofe geschlossen. Die Schenke bestand aus Wohnhaus, Stallung und dem großen Garten hinter dem Haus (1 Scheffel Aussaat) und kleinem Garten im Felde. Es waren 20 Reichstaler Erbpacht an das Amt Münchehofe zu zahlen. Das Recht der Beherbergung war im Vertrag inbegriffen.
  • 1827: Pachtvertrag über Mühle und Krug mit Müllermeister Gumtau
  • 1848: Erwerb des Kruges durch Gustav Kaiser zunächst zur Pacht. Gumtau baute den neuen Krug in der Hauptstraße (heute Deutsches Haus)
  • Um 1900: Übergang an Julius Kaiser
  • Um 1930: Übergang an Fritz Kaiser
  • Um 1935: Vergrößerung des Gebäudes. Giebel des Gasthauses zeigt nun zur Straße. Kolonialwarengeschäft befindet sich rechts im Längsbau.
    Gasthaus, Kolonialwarenladen und Tankstelle
  • Um 1956: Fritz Kaiser schließt aus gesundheitlichen Gründen. Er stirbt 1959. Sein Sohn Bruno Kaiser geht in die BRD.
  • 1957-59: Abriss des alten Längsbaus und Neubau durch Konsumgenossenschaft. Einzug Dorfkonsum.
  • 1965: Nach dem Tod der Ehefrau Fritz Kaisers übernimmt die BHG die ehemaligen Gasträume und die Wohnung im Obergeschoß. In die Gasträume zieht Verkaufsstelle der BHG ein. Die Wohnung wird vermietet.
    Die grobe Ware wie Futter, Dünger und Kohlen waren in den Stallungen auf dem Hof untergebracht.
  • Um 1975 Anschluß der BHG Münchehofe an die Zentrale in Halbe. Die Verkaufsstelle in den Gasträumen blieb erhalten
  • 1994: Schließung der Raiffeisen (BHG) Verkaufsstelle
  • 1995: Schließung Konsum
  • 1996: Erwerb des Gebäudes durch Lebensmittelhändlerin Jantzen aus Märkisch Buchholz. Wiedereröffnung Lebensmittelgeschäft im Längsbau.
    Vermietung Gasträume an Fleischerei Schiela aus Schlepzig. Einrichtung einer Verkaufsstelle für Fleisch- und Wurstwaren.
  • Um 2011: Verkleinerung des Lebensmittelangebots auf Getränke und bestellte Ware.
  • 2014: Schließung der Fleischerei Verkaufsstelle
  • 2015: Schließung Lebensmittelgeschäft
  • 2016: Verkauf des Gebäudes an neue Eigentümer, die es zu Wohnzwecken umbauen.

Aus dem Blog:

Aufnahmen zum Doppelport Treffen 8. Juni 2013

Am Doppelport Treffen 2013 nahm auch ein Fotograf teil, der sich auf der Suche nach einer geeigneten Kulisse für das ehemalige Gasthaus Kaiser entschied. Wir haben die Motorräder an diesem Tag vor dem Gebäude aufgestellt und ein Gruppenbild aufgenommen. Das zweite Foto zeigt mein ES Doppelport Gespann vor der damals noch vorhandenen Eingangstür, die sich inzwischen inklusive dem Türschild in der Ausstellung auf dem Museumshof befindet. Die Leiter wurde für die Aufnahmen benötigt.

Bilder: Copyright Sven Heering (HerrRing)

 

 

Rekonstruktion Papiertüte 5. Dezember 2018

Auf dem Dachboden des Wohnhauses auf dem Museumshof habe ich im Jahr 2017 die Reste zweier Papiertüten gefunden. Diese haben ungefähr das Format A5 und stammen aus dem ehemaligen Kolonialwaren Geschäft Fritz Kaiser aus Münchehofe um 1935.

Um die Tüten für die Ausstellung greifbarer zu machen, habe ich aus den beiden Resten am PC eine vollständige Kopie rekonstruiert. Die Kopie wurde beidseitig ausgedruckt, laminiert und kann nun in der Ausstellung angefasst und genau betrachtet werden. Die originalen Fragmente werden damit vor Beschädigung geschützt.

Die folgenden Bilder zeigen links jeweils die beiden originalen Tüten und rechts die fertige Kopie:

Die digitale Rekonstruktion habe ich in einem Video festgehalten:

 

Türschild Fritz Kaiser 16. Mai 2019

Heute tausche ich 2 großformatige Abzüge von Postkarten aus dem Archiv gegen das Türschild des ehemaligen Gasthauses Kaiser. Das Schild ist aus Metall und ungefähr 20cm lang. Es befand sich seit den 1930er Jahren bis zum Ausbau der 2-flügeligen Eingangstür oben am Rahmen.

Mir ist das Schild bereits vor mehreren Jahren aufgefallen als die Fleischerei Schiela noch das Haus nutzte. Es ist wie die Tür mit einigen Farbschichten überstrichen und war deshalb nur sehr schwer zu entdecken.

Der neue Besitzer des Hauses hatte mir diesen Tausch vor einiger Zeit angeboten. Die Türflügel sind auch noch vorhanden und werden noch für die Ausstellung abgeholt.

Schild Fritz Kaiser 1930er Jahre

Alte Beschriftungen am Gebäude 10. Juli 2019

Ich habe heute Fotos der alten Beschriftungen am ehemaligen Gasthaus Kaiser bzw. Konsum gemacht.

  • Beschriftung der ehemaligen BHG Verkaufsstelle (1965-1994)
  • Leuchtreklame des ehemaligen Lebensmittelgeschäfts Zwingenberger (Jantzen). Rechts sind noch die Buchstaben der SPAR-Kette erkennbar. Anfänglich gehörte das Geschäft dieser Kette an.
Übernahme Türflügel 1930er 11. Juli 2019

Die beiden Flügel der Eingangstür des ehemaliges Gasthauses Kaiser wurden vom aktuellen Besitzer des Hauses heute dem Museumshof überlassen.

Der Schließmechanismus hängt noch am rechten Türflügel. Er riecht nach 80 Jahre altem Schmierfett.

Am Abend entferne ich mit dem Spachtel grob die losen Farbstücke und platziere die Ausstellungsstücke zum ehemaligen Gasthaus testweise in den Glasteilen der Türen. Die Flügel werden in der kommenden Woche befestigt. Zu den hier zu sehenden Stücken kommen sicher noch einige Fotos dazu. Außerdem soll ein Informationstext für die Besucher verfasst werden.

 

 

Ansichtskarte Münchehofe 1942 12. Juli 2019

Diese Postkarte stammt aus den 1930 Jahren. Sie wurde am 1.7.1942 aus Münchehofe nach Berlin geschickt. Die Motive auf der Vorderseite haben sich zwar im Laufe der Jahrzehnte verändert sind aber noch gut wieder zu erkennen.

Unten links ist das ehemalige Gasthaus/ Geschäft „Fritz Kaiser“ abgebildet.

Der Poststempel ist vom 2.7.1942 aus Münchehofe über Märkisch Buchholz. Der Text auf der Karte lautet:

Münchehofe, den 1.7.42

Liebe Frau Heiden!

Aus dem schönen „Münchehofe“, wo ich mit Klara gemeinsam meinen Urlaub verlebe, senden wir Ihnen, sowie Ihrem l. (lieben) Mann und Ihren l. Eltern viele herzliche Grüße

Ihre Hedwig ….
Klara ….

Die Karte ging an:

Frau Elisabeth Heiden
Berlin Köpenick Kaulsdorf
Damerauerallee 36

Ich habe noch ein wenig nachgeforscht und ein Telefonat geführt. Elisabeth Heiden hat bis zu ihrem Lebensende in Kaulsdorf gelebt und noch die Wiedervereinigung 1990 erlebt.